Finale in Russland: Der Confed Cup wird eingemottet

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Der Confed Cup 2017 in Russland ist aller Voraussicht nach die letzte Ausgabe des Vorbereitungsturniers, welches traditionell ein Jahr vor der Weltmeisterschaft im Land des WM-Gastgebers ausgetragen wird. Wirklich beliebt war das Turnier bei den teilnehmenden Nationen nie, vor allem Europa quengelte beständig über das vermeintlich überflüssige Turnier. Nun wird die FIFA das Turnier wohl begraben.

von Björn Leffler

Die Spatzen pfeifen es bereits seit längerem von den Dächern, offiziell ist es aber noch nicht: die 2017er Ausgabe des Confed Cup wird voraussichtlich auch die letzte sein. Erstmalig ausgetragen wurde das Turnier 1999. Obwohl das Turnier schon damals nicht in den Spielkalender passte, nahm auch Deutschland als amtierender Europameister beim Turnier in Mexiko teil. Und zwar nur, wie der damalige Trainer Erich Ribbeck jüngst in einem Interview zugab, „um im Rennen um die Vergabe der WM 2006 bleiben zu können.“

Hätte Deutschland nicht teilgenommen, wäre das Land wohl niemals Ausrichter des „Sommermärchens“ geworden. In einer internen Sitzung riet Franz Beckenbauer Nationaltrainer Ribbeck dann lapidar: „Erich, egal wen du mitnimmst, Hauptsache wir nehmen teil!“ Die Bundesliga-Vereine wollten nämlich maximal drei Spieler pro Verein für das strapaziöse Abenteuer in Lateinamerika abstellen. Dabei sein war also alles, und so wurde der erste Confed-Cup der DFB-Elf zum Desaster. Vor allem das Vorrunden-Debakel gegen Brasilien (0:4) ist in Erinnerung geblieben. Die DFB-Elf schied in der Gruppenphase aus und fuhr schnell wieder nach Hause. Pflichtaufgabe erfüllt.

Besser machte es die von Jürgen Klinsmann trainierte Elf, die beim Confed Cup 2005, der als Vorbereitungsturnier zu eben jener WM 2006 (mit dem Zuschlag hatte es ja dann geklappt) in Deutschland ausgetragen wurde. Die Mannschaft erreichte das Halbfinale und scheiterte hier knapp am späteren Sieger Brasilien. Das Spiel um Platz 3 gegen Mexiko geriet dann zum Spektakel: in Leipzig gewann die DFB-Elf mit 4:3. Es war ein erster kleiner Fingerzeig auf das, was im kommenden Sommer in Sachen Begeisterung folgen sollte.

Das Finale in Frankfurt bescherte den neutralen Zuschauern den „Clasico“ Brasilien gegen Argentinien, den die Brasilianer klar mit 4:1 für sich entschieden. Es war bis zum Gewinn der Goldmedaille beim olympischen Fußballturnier 2016 der letzte internationale Titel der „Selecao“. Bei der WM 2006 schieden die Brasilianer ebenso wie vier Jahre später in Südafrika bereits im Viertelfinale aus, bei der Heim-WM 2014 im Halbfinale.

Der Confed Cup hat seinen Zenit mittlerweile aber längst überschritten. Seinen Höhepunkt fand er in Sachen sportlicher Relevanz und Zuschauerinteresse im eben beschriebenen Sommer 2005 in Deutschland. In den nachfolgenden Jahren war er den teilnehmenden Nationen eher ein Dorn im Auge, vor allem den Europäern, die zwischen Europa- und Weltmeisterschaft noch ein zusätzliches Turnier zu spielen haben, was vor allem für die Spieler eine enorme körperliche Belastung darstellt.

Joachim Löw hat daher entschieden, zum Confed Cup 2017 mit einer besseren B-Elf anzureisen, einer „Perspektivmannschaft“, wie er es treffenderweise nennt. Für ihn hat die Titelverteidigung im kommenden Jahr oberste Priorität, was nachvollziehbar ist. Dass ausgerechnet der amtierende Weltmeister also ohne Stars nach Russland kommt, stößt bei den Gastgebern auf wenig Verständnis. Die FIFA allerdings, normalerweise nicht für ihr Feingefühl oder brillante taktische Entscheidungen bekannt, scheint das Problem erkannt zu haben. Der Confed Cup wird wohl als ewig aufgeblasenes Vorbereitungsturnier in die Geschichtsbücher des Weltfußballs eingehen.

Seinen krönenden Abschluss findet das Turnier nun also in Russland. Wir haben dazu passend einige Bilder der ersten zwei Tage zusammengestellt. Am heutigen Montag greift die deutsche Nationalmannschaft ins Turnier ein. Um 17:00 Uhr europäischer Sommerzeit tritt Löws Perspektiv-Team gegen Australien an.

 

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