Kulinarische Disziplin!

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Kann kulinarische Disziplin ausschlaggebend für den Klassenerhalt sein? Selbstverständlich, das leert uns die Geschichte! Ein kurzer Einblick in die Essensgewohnheiten der Bundesliga-Profis. Und wie sie in den kommenden vier Wochen damit umgehen sollten…

von Björn Leffler

Im Meisterschafts- und Abstiegskampf, das wissen wir alle, zählen am Ende, wenn es hart auf hart kommt, eben auch die Kleinigkeiten. Wenn Punkt- und Torverhältnisse in engster Konstellation darüber entscheiden, ob man den Gang in die 2. Liga antreten muss, oder den Sprung in den Europapokal schafft, dann muss man hin und wieder über das, was man auf dem Trainingsplatz leistet, hinaus denken.

So kürzlich in Wolfsburg geschehen. Spielmacher Luiz Gustavo forderte unlängst kulinarische Disziplin ein! „Jetzt muss man sich einen Monat noch mehr und nur auf Fußball konzentrieren. In dieser Situation muss man noch mehr machen. Man muss nicht dreimal die Woche essen gehen. Vielleicht nur einmal gehen und zweimal zu Hause bleiben.

Volle Konzentration auf Fußball also. Kein neues Thema. Schon im Endspurt um die Meisterschaft 1995/96 bellte Leitwolf Matthias Sammer nach einem knappen 2:1-Sieg bei Fortuna Düsseldorf ins „ran„-Mikrofon: „Dann kann ich jetzt eben nicht jeden Abend ins Kino rennen. Oder mir die Pommes reinziehen. Wenn wir das schaffen wollen, gilt volle Konzentration auf den Fußball!“ Natürlich adressierte Sammer diese Kritik nicht an konkrete Mitspielern, sondern beließ sie im Deckmantel der Anonymität. Wer da also gern Currywurst mit Pommes am Borsigplatz naschte, wird ewig sein Geheimnis bleiben.

Aber Sammers Worte fanden offenbar Gehör: nur wenige Wochen später konnte Borussia Dortmund vorzeitig den Meistertitel erringen, nach einem 2:2 bei 1860 München. Was Stefan Reuter dann, selbst offenbar völlig ausgehungert, direkt nach dem Spiel mit dem glücklichen Ausruf „Der Fisch ist drin!“ kommentierte. In Dortmund war man also offenbar vollkommen ausgehungert, aber wieder Meister geworden. Sammer aber verzichtete selbst beim Festbankett auf übermäßigen Nahrungskonsum und wurde – der Disziplin sei’s gedankt – im Sommer noch mit der DFB-Elf Europameister in England und zudem zu Europas Fußballer des Jahres gewählt! Was so die ein oder andere Schweinshaxe weniger ausmachen kann.

Gustavo ist also zweifelsohne auf der richtigen Fährte. Und nicht nur die Wolfsburger, auch die anderen Teams der Liga, die sich noch im engen Wettstreit um Punkte und Tore befinden, sollten sich an Sammer und Gustavo ein Beispiel nehmen. Dann gibt es in Hamburg nun für vier Wochen eben keine Fischbrötchen-Sammelbestellung beim Mannschaftsabend. Es gibt überhaupt gar keinen Mannschaftsabend! Es wird zu Hause gegessen, basta! Und in Berlin treffen sich Union- und Hertha-Spieler nur für ein paar Wochen nicht abends am Curry-36-Stand am Mehringdamm, sondern schmieren sich in den eigenen vier Wänden ihre Dinkelbrot-Stulle. Das wird ja nun wirklich mal möglich sein. Für vier Wochen, Jungs. Länger auch nicht!

Für den Erfolg, für die Punkte. Und nach dem Ende der Saison können die Edelrestaurants in Wolfsburg, Hamburg, Berlin, Köln oder Dortmund dann wieder aufatmen. Dann kommen sie wieder in Scharen, die ausgehungerten Musterprofis der Bundesliga-Mannschaften und bestellen einmal die Speisekarte ‚rauf und ‚runter.

Aber bis dahin, bitte: etwas Disziplin. Dann klappt’s auch mit dem Klassenerhalt. Oder dem Aufstieg. Oder dem Europapokal. Je nachdem.

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