Stadionumbau – Ein grassierendes Thema

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Neubau? Umbau? Neuer Standort? An diesen Begriffen spaltet sich die Fan-Seele. Viele Vereine Europas stehen derzeit vor der Frage, inwieweit die heimische Spielstätte (noch) den Anforderungen der Zeit gerecht wird. Nicht nur Berliner können hiervon ein Lied singen. Wir wollen in den nächsten Wochen mal einen Blick werfen auf nationale und internationale Neubau- und Umbauprojekte. Heute der Aktualität entsprechend: das Nou Camp Nou.

nou camp nou

Stadien sind mehr als reine Veranstaltungsorte. Sie sind Heimstätte und Symbol eines Vereins und einer Stadt und stehen einhergehend stets im Fokus der Vereinspolitik im Kontext des jeweiligen Stadtentwicklungskonzepts. Schließlich soll die heimische Arena nicht nur die Stadt und die Vereinskultur symbolisieren, sondern darüber hinaus die Wettbewerbsfähigkeit beider Parteien sichern. Über die Zuschauereinnahmen hinaus geht es darum zusätzliche Fans an den Verein zu binden und den wachsenden Anforderungen der Unterhaltungsindustrie, Mediengesellschaft und Sicherheitspolitik gerecht zu werden.

Während in Berlin weiterhin über mögliche Alternativen zum Olympiastadion spekuliert wird und ein Neubau in Brandenburg in vielen Fan-Seelen Besorgnis erregt, wird an anderer Stelle die Modernisierung der heimischen Spielstätte vorangetrieben. Ein gutes Beispiel, wie man die „überalterte“ Spielstätte wieder fit bekommt, wird gerade in Barcelona dargeboten. Ende April wurden medienwirksam die Pläne zum Umbau präsentiert – natürlich durften dabei die Herren Messi, Iniesta und Busquets nicht fehlen, die in erster Reihe repräsentativ für die Zukunftsfähigkeit und Größe des Vereins stehen und den prachtvollen Entwürfen den letzten medialen Glanz verleihen.

Das Nou Camp Nou („das neue neue Spielfeld“) wird vom japanischen Architekturbüro Nikken Sekkei realisiert. Die Zielsetzung besteht hauptsächlich in der umfassenden Modernisierung der sagenumwobenen Arena, die nach dem Umbau so nebenbei mal die magische Grenze der 100.000 sprengt und fortan dann 105.000 Enthusiasten des katalanischen Fußballs Platz bieten wird. Das Stadion erhält zudem eine umfassende Überdachung und allerlei technischen Schnickschnack, den der moderne Fußballfan zu brauchen glaubt und der einem solchen Statussymbol von Stadion gerecht wird. Um dem Zeitgeist gerecht zu werde, wird die Dachkonstruktion den spärlich vorhandenen Regen zur Bewässerung des Rasens sammeln können und integrierte Solaranlagen liefern zudem die Energie zur infolge des Umbaus notwendigen Belichtung der Grünfläche.

Bei der Gelegenheit wird in den kommenden Jahren auch der gesamte Bereich der Infrastruktur im Umfeld des Stadions überarbeitet und ein neuer Medienbereich, die Spielstätten für die Handballer und Basketballer modernisiert sowie repräsentative Grünanlagen errichtet. Im neuen Sportkomplex des FC Barcelona soll sowohl der fließende als auch der ruhende Verkehr den sportlichen Eindruck nicht abmindern, so dass dieser unter die Erde verlegt wird. Angesichts des auch in den kommenden Jahren zu erwartenden intensiven Spielbetriebs der Katalanen, lässt sich eine solche Maßnahme aber nur etappenweise vollführen. In einem eindrücklichen Film über die Konstruktionsphasen werden die einzelnen Arbeitsschritte verdeutlicht: Eine Operation am offenen Herzen, während die Stars in der Manege weiter werkeln.

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