„Uns hat einfach die Idee gereizt“

 

„Uns hat einfach die Idee gereizt!“

Vor einigen Wochen haben wir erstmals Kontakt aufgenommen zur 3D Agentur Berlin. Wir hatten die seltsame Idee, eine 3D-Visualisierung des Berliner Olympiastadions als reine Fußball-Arena erstellen zu lassen. So seltsam war die Idee dann allerdings gar nicht, wie sich nach einer kurzen Diskussion herausstellte. Stefan Loth und Dirk Puder, beide Gesellschafter der 3D Agentur Berlin, willigten ein und machten sich ans Werk. Wir haben den spannenden Prozess der Sichtbarmachung unserer Idee begleitet.

Text und Fotos: Axel Diehlmann, Björn Leffler
3D-Visualisierung: 3D Agentur Berlin

Als wir in der Mitte des geräumigen, modern eingerichteten Büros in der Lichtenberger Viktoriastadt stehen, sagt Stefan Loth fast beiläufig: „Angefangen haben wir mal ganz anders. In einem winzigen Räumlichkeiten in der Scharnweberstraße, in Friedrichshain. Da mussten wir im Winter am Sonntag schon den Holzofen vorheizen, damit es am Montag warm genug zum Arbeiten war. Manchmal haben wir trotzdem mit Handschuhen dagesessen. Heute unvorstellbar.“ Er lacht und schüttelt den Kopf. „Aber Spaß hatten wir trotzdem!“

Mit „wir“ meint Stefan Loth sich und seinen Partner Dirk Puder, mit dem er seit über zehn Jahren zusammenarbeitet. Bis 2012 noch mit einem dritten Geschäftspartner, seit fünf Jahren als Duo unter der Firmierung „3D Agentur Berlin„. Kennengelernt haben sich die beiden 3D-Artisten beim Studium in Detmold. Die beiden Partner können mittlerweile also auf 12 Jahre Berufserfahrung zurückblicken.

Mit unserer Idee im Gepäck trafen wir die beiden Gesellschafter also in ihren Räumlichkeiten im „Klein Friedrichshain“ genannten Kiez zwischen Nöldnerplatz und Ostkreuz an, und schon in den ersten Gespräch wurde deutlich, dass wir es hier mit zwei ausgewiesenen Experten zu tun hatten, die für ihre Sache – die 3D-Visualisierung – förmlich brennen. Schnell entstanden erste konkrete Entwürfe und Skizzen. Dabei gehörte die 3D-Visualisierung von Stadien bislang nicht zu den Kernthemen der 3D Agentur Berlin.

In den über fünf Jahren ihres Bestehens haben Loth und Puder bislang unterschiedlichste Darstellungen realisiert: 3D-Visualierungen und Renderings von Architektur, Inneneinrichtung, Shops oder Messebauten gehören genauso zum Portfolio der Wahl-Berliner wie Produkt- oder Ingenieurs- und Technikvisualisierungen. Und sogar wissenschaftliche 3D-Visualisierungen haben die beiden bereits realisiert, laut Stefan Loth gehörte dies bislang zu den schwierigsten Projekten, die sie umgesetzt haben.

Nun also das Berliner Olympiastadion. In einem späteren Gespräch fragen wir die beiden, warum sie sich auf dieses Projekt eingelassen haben. „Uns hat einfach die Idee gereizt!“ sagt Dirk Puder schlicht und ergreifend. Und er fügt dann noch an: „Uns ist es immer wichtig, uns selbst ständig aufs Neue zu fordern und weiterzuentwickeln. Innovative Dinge auszuprobieren, nicht beim Gewohnten zu verharren. Und schließlich haben die beiden auch schlicht und ergreifend selbst eine Affinität zum Fußball, vor allem Stefan Loth, seines Zeichens gebürtiger Bielefelder und Fan des DSC Arminia. „Mich hat damals im Olympiastadion schon gestört, dass man so weit weg vom Spielfeld sitzt und es keine Stehplätze gibt.“

 

Die Visualisierung des Berliner Olympiastadions als reine Fußball-Arena / Bild: 3D Agentur Berlin 

Bevor mit der Visualisierung einer Idee begonnen werden kann, besteht ein großer Teil der Arbeit erst einmal aus intensiver Recherche. Allein für das Olympiastadion-Projekt wurde umfangreiche Fachliteratur bestellt und studiert und auch im Internet recherchiert. Gesetzliche Vorgaben für den Stadionbau, Vorgaben des Denkmalschutzes, zu berücksichtigende Sichtachsen, Materialien und Baustoffe – dies und vieles mehr gilt es zu berücksichtigen, wenn man eine 3D-Visualisierung umsetzen möchte, die letztlich keinen Nonsens darstellen soll. Und so war es auch bei diesem Projekt, bei dem auch Praktikant … einen großen Beitrag zum finalen Entwurf beigesteuert hat. Eine ganze Woche wurde allein für die inhaltliche Recherche investiert.

„Details sind immer wichtig.“ sagt Dirk Puder. „Darauf kommt es an, auf die Kleinigkeiten. Ein Bild ist schnell gemacht. Aber so eine Visualisierung soll viel aussagen, oft durch eine einzige Abbildung. Die Vorstellung umzusetzen, die jemand im Kopf hat, und genau das zu treffen, was er sich ausgemalt hat, hängt häufig von den Details ab.“ Deswegen sei das Gespräch mit dem Kunden besonders wichtig. Und bei der Umsetzung einer Visualisierung sollten Kunde und Agentur das gleiche Verständnis haben von dem, was letztlich das Zielbild ist.

 

 

Mit dieser Einstellung fahren Puder und Loth bislang sehr gut und können auf einen großen Kundenstamm aus dem deutschsprachigen und internationalen Bereich verweisen. Die mitunter sehr spezifischen Wünsche ihrer Kunden können die Beiden umsetzen, weil sie auf ein großes Netzwerk von Experten zurück greifen können, mit denen sie eng kooperieren. Je nach Auftrag arbeiten die beiden Visualisierungs-Spezialisten mit Freelancern, Grafikdesignern, Produktfotografen, Textern, Art Directors oder Grafikdesignern zusammen. Dieses Kooperationsnetzwerk ermöglicht es Puder und Loth, in unterschiedlichsten Themenbereichen tätig zu werden und aus ihrer 3D Agentur Berlin eine Full Service Agentur zu machen, die weitaus mehr als „nur“ die reine Visualisierung anzubieten hat.

„Das hohe Maß an Kreativität, das du täglich an den Tag legen musst, reizt uns an diesem Job. Das ist genau unser Ding, darin gehen wir auf!“ sagt Dirk Puder zum Ende unseres Gesprächs über die Agentur. Hinter uns liegen mehrere Wochen spannender Arbeit und intensiver Abstimmung. Das Thema Stadion-Visualisierung können die Zwei nun also in ihr umfangreiches Portfolio aufnehmen. Und das Ergebnis kann sich wirklich sehen lassen.

Eine Frage haben wir dann doch noch: „Was reizt euch noch, was habt ihr noch nicht gemacht? Was würdet ihr gern noch einmal umsetzen?“ Nach kurzer Überlegung antwortet Stefan Loth: „So eine Raumfahrtvisualisierung, das wäre sehr spannend. Beispielsweise eine Mars-Siedlung darzustellen, das wäre wirklich eine Herausforderung.“

Tja, wer weiß. Vielleicht wird auch das eines Tages ins Portfolio der 3D Agentur Berlin aufgenommen. Bis dahin ist aber auch die aufwendige 3D-Visualisierung des Olympiastadions ein absoluter Hingucker. Noch schöner wäre es natürlich, wenn das Projekt auch tatsächlich realisiert wird. „Aber das ist dann nicht mehr unsere Aufgabe,“, so Puder. „Unser Job ist es, ein Bild entstehen zu lassen, das einen Denkanstoß oder eine Motivation erzeugt. Je besser uns das gut gelingt, desto höher ist die Chance darauf, dass das Konzept auch tatsächlich umgesetzt wird.“

Daran gemessen gäbe es wohl eine sehr große Chance darauf, dass der Umbau des Olympiastadions in eine reine Fußball-Arena eines Tages Wirklichkeit wird. „Einen kleinen Einfluss darauf zu haben, wie Berlin sich entwickeln wird und welche Konzepte in dieser Stadt umgesetzt werden, das wäre eine großartige Sache!“ sagt Dirk Puder zum Abschluss.

Dem ist wohl nichts hinzuzufügen. Der Umbau des Olympiastadions wäre da schonmal ein guter Anfang.

 

© Björn Leffler 2017