An der Friedhofsmauer, in der U2

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von Björn Leffler

Es war vor ein paar Jahren, als wir zu Hause gegen den 1. FC Köln verloren hatten. Prinz Poldi hatte uns abgeschossen, und (Kevin) Prince Boateng nur an den Pfosten. So ist das manchmal im Fußball. Auf der Rückfahrt vom Stadion standen wir, dicht gedrängt in der überfüllten U2. Betretenes Schweigen, allenthalben. Die U-Bahn rüttelte uns stoisch in Richtung Innenstadt zurück.

Dann, urplötzlich, zwischen U-Bhf Deutsche Oper und Ernst-Reuter-Platz, eine rauhe (vermutlich alkoholisierte) Stimme, welche markant die Stille durchschnitt. Sie rief, fragend: „Ist das nicht die Friedhofsmauer?“ Wir sahen uns alle wissend an. Irgend so’n Spinner halt.

Dann wieder, dieses Mal langgezogener: „Iiiiist das nicht die Friedhofsmauer?“ Und dann noch der entscheidende Zusatz: „Hängt da nicht der Beckenbauer? Friedhofsmauer! Beckenbauer!“

Gelächter allenthalben, grinsende Gesichter. Die Stille war durchbrochen. Ja, wir hatten verloren, aber dieses kurze und zugleich überraschende kulturelle Highlight hatte uns alle aus unserer Lethargie gerissen. Der Rest der Fahrt wurde dann in entspannterer Atmosphäre forgeführt, begleitet vom üblichen Gemurmel der einzelnen Gruppen und Grüppchen.

In diesem Sinne – viel Spaß heute Abend auf dem Weg ins Stadion – oder vom Stadion weg. Die U2 ist auf jeden Fall immer eine gute Wahl! Auch oder erst recht nach Niederlagen, aber wir wollen hier mal nicht den Gelsenkirchener Teufel an irgend eine Berliner Wand malen!

Ein Gedanke zu „An der Friedhofsmauer, in der U2

  1. Letztes Wochenende auf Auswärtsfahrt im ICE erlebt:
    Ein voller Wagen mit Herthafans. Inmitten der Fans auch einzelne Mitfahrer die mit Fußball nichts am Hut haben und offensichtlich genervt sind vom blau weißen Mob. Die passende Antwort der Herthaner in Liedform: „Assozial und kein Geld im Portemonnaie, HERTHA BSC – fährt trotzdem ICE!“
    Da war das Eis gebrochen ?

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