Auf den Spuren von CR7

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Unser Gastautor Golo Schmiedt hat uns einen kurzen Reisebericht über seinen Trip zu den Wurzeln von „CR7“ zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich und gehen schonmal in die Ausgangsstellung: Killerblick, Beine leicht gespreizt, die Arme von uns gestreckt!

Text: Golo Schmiedt
Fotos: Anne Krödel

Leicht breitbeinig, Killerblick, und die Arme, wie ein Cowboy kurz vor‘m Pistolengriff, seitlich herunter gestreckt. So steht er da. Versteinert, als überlebensgroße Statue im Hafen von Funchal.

Die Menschen aus dem Reisebus vor uns quetschen sich durch seine Beine und grinsen in die Kamera. Jeder will ein Foto mit Ronaldo. Daneben Palmen, Boutiquen, malerische Felsen. Hier kommt er also her, der (zweit-) beste Fußballer der Welt.

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Am fünften Februar 1985 wurde er in Funchal geboren, der Hauptstadt der portugiesischen Insel Madeira. Dass er hier nur ein paar Jahre als Jugendspieler aktiv war und danach ins Milliardengeschäft der europäischen Spitzenclubs eingetaucht ist, scheint nebensächlich. Ronaldo ist hier der Star. Von Werbeplakaten, Bussen und Trikots smartet er uns entgegen.

Funchal hat in dieser Saison gleich drei Vereine in der ersten portugiesischen Liga. Maritimo, Uniao und CD National (der Verein, für den CR7 einst in der Jugend spielte). Einen brauchbaren Ersatz scheinen die Verantwortlichen bisher nicht gefunden zu haben, denn CD National dümpelt meist in der zweiten Hälfte des Tableaus vor sich hin.

Unser Urlaub nähert sich dem Wochenende. Endlich wieder Spieltag – auch auf Portugals Urlaubsinsel Madeira. Ronaldos Ex-Club muss auswärts ran, darum gehen wir zum Lokalrivalen Maritimo. Im Stadion sind gefühlt die Hälfte der Leute Urlauber. Ein paar echte Fans gibt es aber dennoch. Ein Mann fragt uns, woher wir kommen. „Germany? Cool! Borussia Dortmund ist super!“ Finden wir auch.

Noch beeindruckender finden wir in diesem Moment aber den Fanblock von Maritimo. Dort steht nicht nur der obligatorische Capo mit Megafon und ein, zwei eifrige Pauker, nein: Eine komplette Marching Band mit Bläsern und Percussiongruppe hat sich aufgebaut und peitscht ihre Mannschaft nach vorn. Für uns fast spannender als das Geschehen auf dem Platz. Maritimo rackert sich derweil bei Temperaturen um die 25 Grad und praller Sonne ab und schafft, trotz oder dank der musikalischen Unterstützung aus der Fankurve, ein 1:0.

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Kein Fußball-Leckerbissen, aber okay. Ist ja auch kein Ronaldo dabei. Den wollten die Verantwortlichen von Maritimo übrigens einst auch mal verpflichten, ließen ein Treffen mit ihm aber kurzfristig platzen. Wer weiß wie dann alles gekommen wäre? Champions League auf Madeira? CR7, der letzte Profi mit Herz, der seiner Heimat treu geblieben und nicht zu einem der Mäzenen-Clubs gewechselt ist? Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht. Zumindest hatten sie ihn mal hier.

So bleibt den Einheimischen in Funchal immerhin eins: Das Wissen, der Fußballwelt einen echten Superstar geschenkt zu haben. Und den Touristen: Eine überlebensgroße Statue in leichter Breitbeinstellung mit ausgestreckten Armen.

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