Das unbezwingbare Sevilla

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Der FC Sevilla hat sich endgültig als Seriensieger des UEFA-Cups, welche immer noch gewöhnungsbedürftig als Europa League tituliert wird, etabliert. Die großen Erfolgsgeschichten der Andalusier gehen einher mit dem Image des fußballerischen Schreckgespenst, welches im Gegensatz zur Champions League Vereine aus ganz Europa heimsucht.

Seit der gestrigen Finalniederlage des Liverpool FC reiht sich der Verein in die illustre Runde der Enttäuschten ein, die gegen den FC Sevilla ein UEFA-Cup-Finale bestreiten durften, nur um sich dann die Szenerie des spanischen Erfolgs aus nächster Nähe ansehen zu dürfen. Inzwischen geht es im Turnierverlauf der Europa-League anscheinend nur noch darum, wer der Mannschaft des FC Sevilla seine Ehre erweisen darf, dem Pokal seine Sehnsuchtsnote zu verleihen, indem nach dem Erhalt der Silbermedaille der Pokal mit wehmütigen Blicken getränkt wird. Immer wenn die Rot-Weißen im Finale zugegen sind, gewinnen sie den Pokal.

2006 mit 4:0 gegen Middlesborough FC, 2007 im Elfmeterschießen gegen Espanyol Barcelona, 2014 mit 4:2 gegen Benfica Lissabon ebenfalls im Elfmeterschießen, 2015 durch ein 3:2 gegen Dnjpro Dnjpropetrovsk und nun mit einem 3:1 gegen die von Jürgen Klopps Finalfluch eingeholten Mannen aus Liverpool. Der Gewinn des diesjährigen Titels war der fünfte Triumph im UEFA-Cup in der Vereinsgeschichte. Allesamt wurden folglich innerhalb von rekordverdächtigen 11 Jahren errungen. Und dabei ist neben der sportlichen Klasse auch einiges an Geschick gefragt, denn um eine solche Serie hinzulegen, muss die richtige Balance aus Erfolg und Niederlage gefunden werden.

Die Statuten der UEFA zur Regelung des Teilnehmerfeldes der Champions League und der Europa League erschweren die Teilnahme an diesem Wettbewerb ungemein. Spätestens mit der Entscheidung, dass der Gewinner der Europa League sich für die darauf folgende Champions League qualifiziert, wird diese Titelverteidigung eigentlich schwierig, da sich der Gewinner ja automatisch für die Europa-League disqualifiziert. Dass die Sevillanos dennoch die Möglichkeit zu diesen Erfolgen haben, die sich wunderbar auf den Briefkopf drucken lassen, liegt an dem kleinen Schlupfloch des möglichen Abstiegs aus der Champions-League nach der Vorrunde. Für Sevilla beginnt das Spielchen jedes Jahr aufs Neue: Auslosung der Gruppenphase der Champions-League, ein wenig mitkicken und dabei schön darauf achten, dass nach sechs Spielen der 3. Platz in der Gruppe herausspringt. Sollen die anderen sich doch um die Krone Europas balgen. Letztendlich ist in dem Konzert der ganz Großen kein Raum für den FC Sevilla. Da lohnt sich schon der seitliche Blick auf den UEFA-Cup, der eh viel adretter wirkt. Die Einnahmen aus der Gruppenphase der Champions League werden dann natürlich gerne noch mitgenommen. Weiterer positiver Nebeneffekt: die ungemütlichen Fernreisen in die Ukraine oder nach Norwegen bleiben den Andalusiern erspart. Diese werden erst angetreten, wenn es sich wirklich lohnt.

Der Einzug des FC Sevilla in die K.O.-Phase des UEFA-Cups über den Umweg Champions League gestaltet sich in den letzten Jahren eigentlich immer gleich: Es ist vergleichbar mit einer stetigen Schulhof-Erfahrung, bei der die Jungs aus den oberen Klassen plötzlich das Spiel an sich reißen und mit beinharten Fouls und Tricksereien letztendlich den Erfolg einstreichen. Wie so oft, schauen dann die Lehrer meist in den entscheidenden Fällen weg. Zumindest in Fankreisen haben die Mannen aus Sevilla sich ein gewisses Rowdy-Image erarbeitet, auch wenn dieses durch die Schiedsrichter nur selten reguliert wird. Die abgezockte Spielweise aus Fouls und taktischen Spirenzien wie Zeitspiel und überbordender Diskussionsbedarf stellt sich dabei als Erfolgsweg heraus, der für die Geschichtsbücher taugt.

Auch für den spanischen Verband lohnt sich das Geschäft: Durch den kontinuierlichen Erfolg des FC Sevilla ist der eigentlich außerordentliche zusätzliche Startplatz scheinbar fest gebucht. Im nunmehr dritten Jahr in Folge werden fünf spanische Vereine in der Champions League an den Start gehen. Möglich wird dies dadurch, dass die international unsagbar erfolgreiche Mannschaft sich in der Liga stets dezent zurückhält. Lediglich der 7. Platz steht nach der aktuellen Saison im Muttiheft, nachdem in den letzten beiden Jahren zumindest mit dem 5. Platz symbolisch an der Champions League-Qualifikation gekratzt wurde. Ein Schelm, der böses dabei denkt.

Auch wenn der sportliche Erfolg respektabel ist, sollte dennoch der Erfolg des FC Sevilla den Vorsitzenden der UEFA zu denken geben. Der Titelverteidiger des UEFA-Cups sollte von Beginn an durch alle Runden des Wettbewerbs gehen müssen. Sofern er sich in der Liga für die Champions League qualifiziert, könnte sich dies natürlich erübrigen, aber sowohl der „Aufstieg“ des Titelträgers in die Champions League als auch der „Abstieg“ der Drittplatzierten der Gruppenphase schaden dem UEFA-Cup nachhaltig.

Axel Diehlmann

 

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