Der 23. Mann

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Massive Fehlentscheidungen haben am vergangenen 33. Spieltag zumindest den Abstiegskampf entscheidend beeinflusst. Drei spielentscheidende Treffer wurden durch die jeweiligen Schiedsrichter nicht gegeben. Werder Bremen musste auf das Führungstor verzichten, weil Vestergaard zu Unrecht unterstellt wurde, den gegnerischen Torhüter behindert zu haben, der jedoch lediglich mit seinen zwei Mitspielern kollidierte. Borussia Dortmund wurde der Ausgleichstreffer gegen die Frankfurter Eintracht kurz vor der Halbzeit verweigert. Mats Hummels soll im Abseits gestanden haben – eine recht individuelle Wahrnehmung des Linienrichters. Darüber hinaus wurde Hertha BSC das Tor zum 2:1 durch Vladimir Darida aberkannt. Auch hier soll eine Abseitsposition vorgelegen haben. Die Entscheidung kam der Mannschaft von Darmstadt 98 zugute, die letztendlich das Spiel im Olympiastadion sogar noch für sich entscheiden konnte. Drei nicht gegebene Treffer, die den Spielverlauf verändert hätten. Alles weitere ist zwar nur Spekulation, aber eine dadurch veränderte Tabellenkonstellation am heutigen Montag ist zumindest zu vermuten.

Auch wenn es müßig ist darüber zu lamentieren, denn es gilt der berühmte Grundsatz der Tatsachenentscheidung, den es zu beachten gilt, sofern man den Fußb all nmicht nachhaltig in eine auf Technik basierende Debattierrunde verwandeln möchte. Jedoch lässt sich nach dem Erlebten des Wochenendes festhalten: Insbesondere auf der Zielgeraden der Saison haben kleine und große Fehlentscheidungen des Schiedsrichtergespanns wahnwitzige Auswirkungen auf die Entwicklung von Vereinen und die jeweilige Stimmungslage im Umfeld. Dabei gilt zwar der Leistung der Schiedsrichter größter Respekt, aber einzelne Fehlentscheidungen beeinflussen in tragischer Weise den Existenzkampf in der Bundesliga. In einer kritischen Reflexion dieser sollten die sogenannten 50:50-Entscheidungen zwar nicht einbezogen werden, da in dieser Wertung schon eine gewisse Nachvollziehbarkeit deutlich wird, aber die angesprochenen Situationen waren in gewisser Absurdität offensichtlich. In diesem Sinne ist es fast schon nachvollziehbar, dass der Frust insbesondere bei Werder Bremen und Hertha BSC als direkt betroffene besonders groß ist. Für Borussia Dortmund hatte die Fehlentscheidung nur minimale Auswirkungen – schlimmer traf es dann indirekt den VfB Stuttgart, der sein Spiel gegen Mainz verlor und durch den Sieg der Frankfurter Eintracht in eine nahezu hoffnungslose Situation verbannt wurde.

Nun lässt sich natürlich auch darauf verweisen, dass die Vereine sich jeweils selbst in eine Situation manövriert haben, in der sie für solche eklatanten Fehlentscheidungen anfällig sind. Die Schuldfrage sollte demnach nicht mit einer Schiedsrichterschelte beantwortet werden, auch wenn der Ärger vollkommen nachvollziehbar ist. Allgemein gilt der Grundsatz, dass sich die Entscheidungen der Schiedsrichter in Bezug auf einen Verein im Laufe der Saison ausgleichen. Die Kollegen von der wahretabelle.de bestätigen dies mit ihrer Berechnung nur teilweise. Zwar ist das allgemeine Bild der Tabelle mit der faktischen Tabelle vergleichbar, aber es gibt doch einige eklatante Ausnahmen. Klar benachteiligt wurden im Laufe der Saison Hertha BSC und der 1. FC Köln, denen bei entsprechenden Spielverlauf 10 beziehungsweise 7 Punkte verlustig gegangen sind. Profitieren konnten gleichsam insbesondere die TSG Hoffenheim und Eintracht Frankfurt, denen acht beziehungsweise zehn Punkte unerwartet ins Körbchen gelegt wurden. Hier eine Berechnung, die die Fehlentscheidungen des letzten Spieltags noch nicht einmal einberechnet.

# Verein Spiele G U V Tore +/- Tordiff. Punkte
1. Bayern München 32 26 5 1 81:16 65 83
2. Bor. Dortmund 32 24 3 5 83:37 46 75
3. Bayer Leverkusen 32 18 5 9 54:37 17 59
4. Hertha BSC 32 18 5 9 48:42 6 59
5. 1. FC Köln 32 13 10 9 46:42 4 49
6. Schalke 04 32 13 8 11 48:48 0 47
7. Bor. M’Gladbach 32 13 7 12 59:49 10 46
8. Mainz 05 32 13 7 12 43:40 3 46
9. FC Ingolstadt 32 11 12 9 35:35 0 45
10. FC Augsburg 32 11 7 14 36:48 -12 40
11. Hamburger SV 32 11 6 15 41:52 -11 39
12. VfL Wolfsburg 32 10 7 15 44:52 -8 37
13. Werder Bremen 32 11 3 18 49:71 -22 36
14. SV Darmstadt 98 32 8 11 13 39:55 -16 35
15. VfB Stuttgart 32 10 5 17 48:65 -17 35
16. 1899 Hoffenheim 32 8 5 19 36:51 -15 29
17. Eintr. Frankfurt 32 7 5 20 33:52 -19 26
18. Hannover 96 32 5 5 22 30:61 -31 20

„Schiri ist Luft!“  – So schallt es stets über die Plätze der Republik, wenn dieser überraschend den Ball berührt. Gleichsam ist er lediglich die Stimme aus dem Off, die das Spiel reguliert und so zu organisieren hat, dass die beiden Mannschaften entsprechend den Regularien fair miteinander umgehen und folglich sich dem Geschehen auf dem Platz widmen können. Dieser Idealtypus ist leider nicht immer zu beobachten, ansonsten gäbe es wohl auch keinen Starkult um die großen der Zunft. Piere-Luigi Collina war einer dieser 23. Männer, die mit bestechender Ausstrahlungskraft die Zügel so sehr in der Hand hielten, dass das Spiel einfach lief. Fehlentscheidungen seines Schiedsrichtergespanns waren selten, aber natürlich auch nicht unumgänglich. Falsche Pfiffe des 23. Manns gehören nun mal ausnahmslos dazu. Ärgerlich ist aber die Anhäufung, die parallel geschehen, sich unmittelbar auswirken und in der Folge einige Fragen aufwerfen. Der beste Schiedsrichter ist und bleibt derjenige, der nicht auffällt und dennoch einen klaren handlungsanleitenden Rahmen setzt. Dies war leider zuletzt nicht immer der Fall.

Sei´s drum. Wir wollen jedoch nicht so trist in die Woche starten und erfreuen uns an diesem netten kleinen Video, wie Schiedsrichter bestens die Fußgängerzone regulieren.

 

Axel Diehlmann

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