Die Champions League, eine geschlossene Gesellschaft?

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Ein Faktenvergleich zur Lage in Europas bedeutendster Spielklasse

von Björn Leffler

Bereits mehrfach hatten wir uns in dieser Woche ja dazu ausgelassen, wie reizvoll in diesem Jahr die Duelle der Europa League sind, im Vergleich zu den immer gleichen Champions-League-Vergleichen der immer gleichen europäischen Spitzenmannschaften.

Aber ist dem eigentlich wirklich so? Finden in der Champions League tatsächlich Jahr für Jahr identische Duelle statt? Wir wollten dieser gefühlten Tatsache einmal die harten Fakten gegenüberstellen und haben einmal alle K.O.-Begegnungen der vergangenen zehn Jahre unter die Lupe genommen, die in der Champions League ausgetragen wurden. Und zwar ab dem Viertelfinale, wo die Verdichtung auf wenige Mannschaften am stärksten spürbar wird.

Und das hier sind die Ergebnisse:

1 – Häufigste Duelle:

In 70 Viertelfinal-, Halbfinal- und Finalduellen seit der Spielzeit 2005/06 gab es insgesamt 14 Duelle, die mindestens zweimal vorkamen. Ganze drei Paarungen hat es sogar dreimal gegeben:

FC Chelsea v FC Liverpool

FC Barcelona v Manchester United

FC Barcelona v Bayern München

Und hier sind alle Mehrfach-Duelle aufgeführt, die es in den letzten zehn Jahren ab dem Viertelfinale gegeben hat. Hätten wir noch das Achtelfinale hinzugezählt, wäre die Zahl noch deutlich höher:

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2 – Einmalige Duelle

Von 70 K.O.-Begegnungen waren genau 39 Begegnungen von einmaliger Natur. Das entspricht einer Quote von rund 56%. Fast die Hälfte aller Partien besteht also aus Begegnungen, die es bereits mehrfach gegeben hat.

Man muss sich also still darüber freuen, dass immerhin noch 56% aller Partien noch nie dagewesen sind…

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3 – Die Mannschaften mit den meisten Spielen:

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Das ist er also, der erlauchte Kreis der Champions-League-Dominanten des vergangenen Jahrzehnts. Wer es hierhin geschafft hat, hat aus rein wirtschaftlicher Sicht nur ein Ziel: dort zu bleiben. Darauf ist das heutige System der Champions League glücklicherweise ja ausgelegt. Euch passiert also nichts, ihr großen Jungs. Macht euch keine Sorgen. Die UEFA tut schon alles, um Euch bei Laune zu halten!

Fazit: Allein die Tatsache, dass die fünf Teams mit den meisten Spielen an fast 100% aller der 70 Begegnungen teilgenommen haben, zeigt die geringe Durchmischung der Mannschaften, die an den K.O.-Spielen der Champions League teilnehmen dürfen.

Noch viel dünner wird die Luft, wenn man sich einzig und allein die Halbfinals betrachtet. Glücklicherweise gibt es immer mal wieder „Ausreißer“ wie Atletico Madrid oder Olympique Lyon, die sich anschicken, die Phalanx der Großvereine zu durchbrechen. Doch es bleiben nur dünne Nadelstiche in einem ungleichen Kampf.

Die Champions League, sie ist und bleibt eine geschlossene Gesellschaft, in der sechs, sieben Vereine alles dominieren und dem Rest gnädig erlauben, als Staffage zu dienen. Und diese Staffage muss sich dann bitteschön auch freuen, dass sie mitspielen darf. Aber nicht um den Titel, bitte. Das wäre natürlich lächerlich.

Wir jedenfalls freuen uns schon wie Bolle auf die Rückspiele der Europa League und lassen Real, Barca und Bayern unter sich.

 

 

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