Die Heiligen des Fußballs

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Nicht nur Katholiken sollte die Ehre der Heiligsprechung vorbehalten sein. Auch Fußballer müssen zwingend diese Weihen erfahren. Ein Plädoyer für mehr Heiligtum im Weltfußball.

von Björn Leffler

Als ich heute Vormittag gedankenverloren durchs Programm zappte, blieb ich kurzzeitig bei der im ZDF live übertragenen Heiligsprechung von Mutter Teresa hängen. Die 1979 mit dem Friedensnobelpreis geehrte albanischstämmige indische Ordensschwester gilt laut Papst Franziskus I. als „Heilige ihrer Zeit“. Daher trägt sie nun ganz offiziell auch den Beinamen „Heilige Teresa von Kalkutta„, wobei ja „Mutter Teresa“ schon irgendwie eine Art Beiname war. Ihr gebürtiger Name war Anjezë Gonxha Bojaxhiu.

Aber, nun gut. Zurück zur Heiligsprechung. Die Voraussetzungen hierfür sind gar nicht so einfach. Man muss, selbstredend, Mitglied der katholischen Kirche sein, was die Ordensschwester Mutter Teresa seit ihrem 18. Lebensjahr war. Katholiken gibt es natürlich viele, aber nachgewiesene Wunder haben die wenigsten bewirkt. Dies ist allerdings notwendig, wenn man in den Genuss der Heiligsprechung kommen möchte. Bei Mutter Teresa war jenes Wunder aber nach Ansicht von Papst Franziskus erwiesen, er erkannte die 2002 erfolgte Heilung einer Inderin an Krebs als eben jenes Wunder an.

Darüber hinaus muss man im Übrigen bereits verstorben sein. Das kommt also auch noch dazu.

Während also der Papst, von Weihrauch umweht, die 1997 verstorbene Mutter Teresa heilig sprach, kam mir der Gedanke, ob es nicht auch im Fußball eine Heiligsprechung derer geben sollte, die sich um den Fußball besonders verdient gemacht haben. Selbstverständlich, ganz nach katholischem Vorbild, kann eine Heiligsprechung erst nach dem Ableben des Fußballers erfolgen. Und der heilig zu sprechende muss zumindest ein (Fußball-)Wunder vollbracht haben.

Da verdiente Persönlichkeiten wie Pelé, Beckenbauer, Maradona oder Charlton (glücklicherweise) noch bei bester Gesundheit sind, müsste natürlich erst einmal in den jüngeren und älteren Geschichtsbüchern des Fußballs geschmökert werden, um passende Kandidaten herauszufiltern. Wenn man diese dann beisammen hätte, bliebe nur noch die Frage zu klären, wer die Heiligsprechung eigentlich vornehmen darf. Normalerweise der Fußballgott himself, aber da sich dieser  – wie Götter eben so sind – niemals selbst zeigt, müsste dies sein gewählter Vertreter auf Erden vornehmen: der FIFA-Präsident. Der Papst der Fußball-Weltgemeinde sozusagen. Das Amt befindet sich zwar schwer im Imagetief, ist und bleibt aber der wichtigste und einflussreichste Posten im internationalen Fußball.

Zu gründen wäre dort, also bei der FIFA, dann eine entsprechende Kommission zur Auswahl der potentiellen Kandidaten für die Heiligsprechung. Einige Ideen hätte ich natürlich. George Best wäre wohl ein aussichtsreicher Kandidat, genauso wie Johan Cruyff natürlich. Garrincha, zweimaliger brasilianischer Weltmeister, verstorben 1983 in Rio (und zudem mit hoher Wahrscheinlichkeit auch noch Katholik!). Lew Yashin, sowjetische Torhüterlegende. Fritz Walter, Nachkriegsweltmeister. Und dann wäre da wohl auch sein Trainer, Sepp Herberger, zu nennen. Richtig, Trainer gehören natürlich auch in diese Ahnenreihe hinein. Da dürfte Matt Busby dann genauso wenig fehlen wie der 2005 verstorbene Rinus Michels oder, natürlich, Udo Lattek. Und Otto Rehhagel, der schließlich… ach nein, der lebt noch.

 

Ohne da also wirklich tief einzusteigen, zeigt sich da schnell das große Potenzial dieser heiligen Ahnenhalle. Die FIFA könnte das groß aufziehen, eine Art „Rock and Roll Hall of Fame“ des Fußballs, am besten direkt im Hauptqartier in Zürich. Das gäbe dann endlich mal wieder ein wenig positive Presse, denn die gegen die Heiligsprechung von Fußball-Legenden ist schließlich nichts, aber auch gar nichts einzuwenden. Und etwas Imagepolitur könnte der Fußballverband im Augenblick mehr gebrauchen als alles andere.

Mein Vorschlag geht dann also morgen auf postalischem Wege ans FIFA-Hauptquartier nach Zürich. Mein kleiner Beitrag, um den Fußball wieder etwas erträglicher zu machen. Ein weihevoller Hauch der Geschichte gegen den Transfer- und Vermarktungswahnsinn des modernen Fußballs. Ein schöner Gedanke, immerhin.

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