Früher war mehr Konfetti!

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Was in den 80er und 90er Jahren in deutschen Stadien noch relativ selbstverständlich war, ist mittlerweile nur noch in Ausnahmefällen zu sehen: der gute, alte Konfettiregen.

Während in Südamerika ganze Telefonbuchpaletten für ein Heimspiel der Boca Juniors in den Himmel geschmissen werden, ist in deutschen Stadien die Konfettiparade aus grob gerissenen oder geschnittenen Papierschnipseln aus dem Tribünenbild fast gänzlich verschwunden. Höchstens in Mönchengladbach oder auf der Dortmunder Südtribüne wird dieses Ritual, welches zumeist beim Einlaufen der Teams oder nach einem erzielten Tor zum Einsatz kommt, noch sporadisch angewandt. Kein Vergleich allerdings zum Papierregen, der noch Mitte der 90er Jahre von der schwarzgelben Wand prasselte, wenn die Mannschaften ins Westfalenstadion einliefen.

Aber wie das nunmal so ist, The Times They Are A Changin‘. Das Westfalenstadion heißt heute „Signal Iduna Park“, die Borussia aus Mönchengladbach kickt längst nicht mehr im kuschligen Bökelberg inmitten eines Wohnviertels, sondern auf einem Feld draußen vor den Toren der Stadt.

Und überhaupt haben die hochmodernen Arenen auch eine ganz eigene, sachliche Attitüde mit sich gebracht, bei der höchstens noch haargenau geplante Choreos gern gesehen sind. Anarchischer, unkontrollierter Schnipselregen ist nicht gern gesehen. Allein beim Einlass ins Stadion wird derlei unnützes Mitbringsel von den Ordnern häufig gern kassiert – und damit Stunden liebevoller Vorbereitungszeit entwertet.

Beim – natürlich geplanten und mittlerweile standardisierten – Einsatz des Konfettis zur Untermalung von Siegerehrungen und Pokalübergaben wird das einstmals atmosphärische Element des Fußballs seiner Faszination beraubt, indem man ein golden oder silbrig glänzendes Hochglanzkonfetti in den Abendhimmel pustet, aus gigantischen Kanonen. Damit das Konfetti dann eben genau so fällt, wie es der Veranstalter möchte. Konkurrenzkonfetti ist nicht zugelassen, natürlich nicht. Der Rest des Stadions hat bitte sauber und übersichtlich zu bleiben.

Wir, unverbesserlich wie wir nunmal sind, schwelgen trotzdem nochmal in Erinnerungen und zeigen, wie konfettireich die Bundesliga mal war – und wo es noch heute ganz besonders papierhaltig abgeht. Und wir sagen: diese Zeiten müssen wiederkommen, denn ein in Konfettiregen getränkter Fanblock verbreitet – damals wie heute – absolute Gänsehaut.

 

Wunderschönes Beispiel aus dem Jahr 2010 vom Spiel – natürlich – Dortmund vs Gladbach

 

Konfettiregen-Aktion im Wiener Praterstadion

 

Auch hier nochmal ein schönes Beispiel aus dem Signal Iduna Park

 

Die Godfathers der Konfetti-Choreo: Fans von Boca Juniors beim Superclasico gegen River Plate

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