Fünf Finals in fünf Jahren

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Borussia Dortmund spielt heute abend im Berliner Olympiastadion gegen Bayern München um den glorreichen Erhalt des DFB-Pokals. Während es das dritte DFB-Pokalfinale in Folge für die Dortmunder ist, steht insgesamt das fünfte große Finale in Serie an. Ein kleiner Rückblick…

Es war der 12. Mai 2012, der als Wendepunkt der jüngeren Bundesligageschichte in die Annalen eingehen sollte. Im Finale des DFB-Pokal deklassierten imposant aufspielende Dortmunder die Münchener Bayern mit 5:2. Es war die Kirsche auf der Sahne nach beeindruckenden zwei Meisterschaften 2011 und 2012, die durch das aufstrebende Team der Borussia spielerisch überzeugend errungen wurden. Die Bayern waren naturgemäß gereizt durch den doppelten Verzicht auf die Meisterschale, die deutliche Finalniederlage brachte das Fass jedoch zum Überlaufen. Uli Hoeness und Karl-Heinz Rummenigge mussten bedröppelt Aki Watzke gratulieren und schmiedeten schon Revanche-Pläne, während Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger noch im Pressebereich von einer unverdienten Niederlage faselten, da sie ja eigentlich „das klar bessere Team“ gewesen seien. So eine Blamage sollte es nicht noch einmal geben – das Selbstverständnis des Vereins stand in Frage. Also machten sich die Bayern daran, eine neue Mannschaft aufzubauen, die – einer bewährten Methode folgend – auch bevorzugt durch Spieler des direkten Konkurrenten erstellt werden könnte. Spieler, die in Dortmund gut zusammenspielen, können dies doch auch im bayerischen Dress – einfache Logik. Diese waren jedoch zunächst nicht direkt greifbar, weswegen diese Projekte erstmal auf die lange Bank geschoben wurden. Um jedoch die eigene Stärke zu demonstrieren, wurde im August 2012 der bis dahin wenig bekannte Javi Martinez für über 40 Millionen von Athletic Bilbao losgeeist. Ein Akt der Stärke, der symbolisch für die kommenden Jahre stehen sollte.

In Kontinuität dessen wurde im April 2013 Mario Götze per Ausstiegsklausel aus seinem Vertrag bei den Dortmundern gelöst. Neben der verheißungsvollen Zukunft des Spielers ging es wohl vor allem darum die Borussia nachhaltig zu schwächen. Die Bekanntgabe kurz vor dem CL-Halbfinalspiel der Dortmunder gegen Real Madrid sollte dann gerne auch kurzfristig einen Wirkungstreffer erzielen. Der Schuss ging fast gänzlich nach hinten los. Die Dortmunder stürmten ins Finale der Champions League und setzten dort den Bayern ordentlich zu, womit wir auch schon beim zweiten Finale der Reihe wären.

Es war der 25. Mai 2013, als im Londoner Wembley-Stadion erstmals zwei deutsche Vereine ein Finale der Champions-League bestritten. Wie im vorigen Pokalfinale trafen die Dortmunder auf die Bayern und es sollte erneut ein Spiel werden, wovon noch lange gesprochen werden sollte. Zunächst das amüsante Vorprogramm, welches Lars Ricken und Paul Breitner in Ritterkostümen gegeneinander antreten ließ, und danach ein fußballerischer Schlagabtausch, dessen Dynamik ganz Europa begeisterte. Es war ein Spiel auf Augenhöhe, welches die Bayern letztendlich mit 2:1 für sich entscheiden konnten. Schnell geriet dabei in Vergessenheit, dass Dortmund insbesondere in der ersten Halbzeit gefährlicher war und vor allem, dass Dante nach einem geahndeten Foul an Marco Reus auch Gelb-Rot, Franck Ribery nach seiner versuchten Tätlichkeit an Robert Lewandowski auch gut und gerne glatt Rot hätte sehen können. Auch wenn es müßig ist, darüber zu spekulieren, wie das Spiel dann verlaufen wäre, auch diese Szenen gehören zur Geschichte eines Spiels, welches die Bayern als glorreichen Moment ihrer Vereinsgeschichte feiern. Angereichert werden sollte dieser Erfolgsmoment durch das zusätzliche Abwerben von Robert Lewandowski, der ab der neuen Saison im Verbund mit Mario Götze für die Bayern auf Torejagd gehen sollte. Die Dortmunder stemmten sich dagegen und pochten auf die Vertragserfüllung des polnischen Torjägers – eine gute Entscheidung angesichts der Professionalität von Lewy.

Ein Jahr später im Finale des DFB-Pokal 2014 sollte es für eben diesen Lewandowski das letzte Spiel für die Borussia werden und es ging erneut gegen die Bayern. Die Bayern hatten 2013 und 2014 überzeugend die deutsche Meisterschaft errungen und wollten nun gegen die Dortmunder den Erfolg aus dem vorjährigen Finale bestätigen. Es war ein Spiel auf Brechen und Biegen mit harten Zweikämpfen und kleinen spielerischen Glanzlichtern. Zur Legendenbildung taugte das Spiel aber erst ab der 65. Minute, als Mats Hummels per Kopfball den Ball hinter die bayerische Torlinie beförderte und Dante in einem letzten Akt der Verzweiflung den Ball aus dem Tor drosch. 75.000 Zuschauer im Stadion und ein Millionenpublikum vor den Fernsehern verfolgten die Dramatik einer offensichtlichen Fehlentscheidung. Der Torklau von Berlin wurde alsbald zum Ausgangspunkt der Einführung der Torlinientechnik. Die Schiedsrichter sollten angesichts dieser eklatanten Fehlentscheidung nicht mehr mit der grundsätzlichen Entscheidung des Fußballs betraut werden. Durch die verweigerte Anerkennung des Tores der Dortmunder retteten sich die Bayern in die Verlängerung, in der sie gegen entkräftete und entmutigte Borussen mit 2:0 gewannen. Diese fühlten sich berechtigterweise um einen großen Titel gebracht.

Im letzten Jahr spielte der BVB im Finale von Berlin gegen den VfL Wolfsburg, der nach einer überragenden Saison die Vizemeisterschaft schon im Gepäck hatte. Für Dortmund ging es nach einer enttäuschenden, aber letztlich versöhnlichen Saison darum die unberechtigte Finalniederlage von 2014 auszumerzen und Jürgen Klopp mit einem Pokal in den Händen zu verabschieden. Emotional aufgeladen legte Mannschaft von Borussia Dortmund überzeugend los und führte früh durch ein Tor von Pierre-Emerick Aubameyang. Der Spielverlauf sprach auch danach eigentlich für die Dortmunder, bis die Wolfsburger mit einer hervorragenden Viertelstunde inklusive dreier Tore die Verhältnisse für sie zurecht rückten. Dortmund kam nur noch ansatzweise zu Chancen und musste letztendlich den Traum vom Titel begraben. Der VfL Wolfsburg stellte sich als höchst unangenehme abgezockte Mannschaft heraus, die den Pokal verdientermaßen nach Wolfsburg brachte. Besondere Tragik hatte dabei, dass der spielentscheidende Akteur nur ein Jahr zuvor fast in Dortmund gelandet wäre. Ein Transfer, der nur durch das Veto José Mourinhos aufgrund seiner doppelten traumatischen Erfahrungen mit Robert Lewandowski verhindert wurde. Jürgen Klopp verabschiedete sich jedenfalls statt auf einem Party-Wagen, der den Borsigplatz umkreist, lediglich per Videobotschaft. Die emotionale Ausnahmephase, die Klopp beim BVB ausgelöst hatte, endete ungemein trostlos.

Am heutigen 21. Mai 2016 steht nun also das fünfte Finale für die Borussia in Folge an und höchstwahrscheinlich werden auch heute wieder Geschichten geschrieben, von denen noch lange die Rede sein wird. Die Geschichte im Vorhinein ist erneut eine Transferposse. Der Kapitän der Borussia wechselt im Sommer nach München und absolviert wie Robert Lewandowski sein letztes Spiel gegen den neuen Arbeitgeber. Einhergehend drehen sich viele Gespräche der Fachpresse um eine mögliche Beteiligung von Mats Hummels an einem eventuell anstehenden Elferkrimi. Die Sorge in der Fußballhistorie für eine Duplizität der Ereignisse zu sorgen und wie Lothar Matthäus in seinem letzten Spiel für Borussia Mönchengladbach im Finale des DFB-Pokal 1984 (un)dank eines Fehlschusses einen Erfolg der Bayern zu begünstigen, steht symbolisch für die Drucksituation angesichts der Brisanz dieses Duells. Für Dortmund ist es das fünfte Finale im fünften aufeinanderfolgenden Jahr. Zum vierten Mal geht es gegen den bayerischen Hauptkonkurrenten im deutschen Fußball. Die Bilanz gestaltet sich aufgrund der Nüchternheit der Resultate negativ. Die Finals waren gleichwohl stets umkämpft. Bayern gegen Dortmund ist ein Spiel, welches große Geschichten garantiert. Die heutige Fortsetzung elektrisiert…

 

Axel Diehlmann

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