„Ich darf mich jetzt nicht selbst übertreiben!“

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Wenn sich heute Abend im Europa League Finale Ajax Amsterdam und Manchester United im Kampf um den UEFA-Cup duellieren, treffen zwei völlig unterschiedliche Vereinsmodelle aufeinander. Die Paarung verspricht dennoch ein spannendes Endspiel und erinnert an eine Konstellation, die aus deutscher Sicht vor zwanzig Jahren zu einem der größten Überraschungserfolge des Wettbewerbs geführt hat.

von Björn Leffler

Auf der einen Seite steht heute Abend mit Ajax Amsterdam ein Verein, der vor allem dank seiner herausragenden Jugendzeit ganz allmählich an alte Erfolge anzuknüpfen vermag, auch wenn das Weiterkommen gegen den FC Schalke 04 und Olympique Lyon jeweils mit einem blauen Auge bezahlt wurde, so eng waren die Partien. Auf der anderen Seite wird für das Team aus Manchester eine der teuersten, wild zusammengekauften Mannschaften des Kontinents auflaufen. Dem Sieger winkt die Teilnahme an der Champions League im kommenden Jahr. Die nordenglische Millionentruppe um Pogba und Ibrahimovic ist in diesem Finale natürlich Favorit.

David gegen Goliath also, zumindest mutet es so an. Das erinnert an ein deutsch-italienisches Europacup-Finale, welches in diesem Jahr sein 20-jähriges Jubiläum feiert. Im Mai 1997 wurden die Schalker „Eurofighter“ geboren, nach einem an Dramatik kaum zu überbietenden Rückspiel-Erfolg gegen den haushohen Favoriten Inter Mailand. Live übertragen damals von „ran SAT.1 Fußball“, in unnachahmlicher Manier kommentiert von Reporter-Legende Werner Hansch („Ich darf mich jetzt nicht selbst übertreiben!„), der vor dem Anpfiff im mit 85.000 Zuschauern gefüllten San Siro schon mit Weitblick philosophierte: „Eine Hand ist am Pott! Die Frage ist nur, wie kriegen wir die zweite dran?“

Was vor Hansch und allen Schalker Fans liegen würde, waren 120 nervenaufreibende Minuten und ein spektakuläres Elfmeterschießen, in dem Helden geboren wurden – und zwar auf Schalker Seite. Der krasse Außenseiter Schalke 04, der seine erste Europapokal-Saison seit Jahrzehnten gespielt hatte, landete einen völlig unerwarteten Coup, den die über 25.000 Schalker Anhänger im Guiseppe Meazza fanatisch feierten. Apropos unerwartet: nur eine Woche später gelang Borussia Dortmund, ebenfalls klarer Außenseiter, ein sensationeller Sieg im Champions-League-Finale gegen den italienischen Champion Juventus Turin.

Der Fußballsommer 1997 war – auch wenn der Begriff bereits arg strapaziert ist – ein deutsches Sommermärchen sondergleichen, welches sich das Ruhrgebiet als Schauplatz ausgesucht hatte. Als Einstimmung auf das heutige Endspiel erinnern wir mit einer ganz besonderen Retrospektive an den Triumph des FC Schalke 04 im UEFA-Pokal 1997, dem Vorläufer-Wettbewerb der heutigen Europa League. Volle 2 Stunden und 23 Minuten Fußballatmosphäre aus einer anderen Zeit, mit einem Fußballkommentator, der so herrlich bodenständig und fußballverrückt war, dass einem ganz schnell ein Tränchen im Knopfloch steht…

Viel Spaß also mit „ran SAT.1 Fußball“, Live aus Mailand! 😉 

 

 

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