Papa kommt nach Hause

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Verzogene Bengel, ein karrieristischer Vetter und ein weltfremder Greis – ungefähr so lässt sich die familiäre Situation beim FC Bayern darstellen zu einem Zeitpunkt, an dem Vatti seine Verantwortungsposition nach abgesessener Zeit im Knast wieder einnimmt. Das Polster seines Throns muss erst wieder neu eingesessen werden.

Er sollte Recht behalten. „Das wars noch nicht“ – Ein prophetischer Abschluss einer tränengeschwängerten Abschlusssequenz im Sommer 2014 wird nunmehr zur Programmatik des Branchenprimus von der Isar. Uli Hoeness wird heute auf der Mitgliederversammlung des FC Bayern München wieder zum Familienvorstand gekürt, wodurch sein damalig formulierter Anspruch durch das ergebene Volk in die Tat umgesetzt wird. Gegenkandidaten und damit verbundene Gegenentwürfe werden heute nicht zugegen sein. Die Benennung ist in bester scheindemokratischer Manier reine Formsache. Rechtzeitig zur größten Krise der jüngeren Vereinsgeschichte kehrt der große Ulrich also ins Schaufenster zurück und wird den Laden aufmischen. Jedenfalls betonte er schon, dass er keineswegs vorhabe „rumzueiern“.

Bevor jedoch der liebe Papa als Wohltäter und Strahlemann wieder auftritt, muss erstmal für Ordnung gesorgt werden. Zuallererst gilt es da bei den Jünglingen anzufangen, denn jeder weiß, dass in Bayern der Fisch niemals vom Kopf her stinkt. Den sportlichen Bengeln wurde durch ein genialen Katalanen der Kopf verdreht und diese weisen derzeit Erscheinungen von Liebeskummer und Lethargie auf. Nachdem sie einige Wochen sich zwar irgendwie befreit von den Fesseln einer zwanghaften Beziehung der gegenseitigen Super-Leidenschaft fühlten, sehnen sie sich nunmehr offenbar nach Orientierung und Lobhudelei. Der Italiener ist zwar irgendwie anschmiegsam und erinnert an die heitere Zeit, als Kater Karlo krumme Dinger drehte, aber er scheint sich nur für die eine große Trophäe des europäischen Fußballs zu interessieren. Wie das Steamboat Willy manövriert er lässig die Bayern durch die Bundesliga und wartet dabei eigentlich nur auf das eine große Spiel, um seine Bestimmung zu erfüllen. Das Ziel ist dabei der Pokal, nicht unbedingt der Weg. Kontraproduktiv wirken dabei die Medien auf die Stimmungslage in der sehnsüchtigen Mannschaft aus, die allenthalben die Erinnerungen an die schönen letzten Jahre aus der Story-Kiste kramen.

Doch damit nicht genug. Die nächste familiäre Baustelle stellt der geliebte Großvater der Familie dar. Nachdem er sich in den letzten Jahren kontinuierlich kaiserlich in die Nesseln gesetzt hat, hat er sich zwar halbwegs aus der Öffentlichkeit zurückgezogen, aber die Nachwehen von Korruptionsskandal und verqueren Einordnungen von Sklavenarbeit werfen immer noch einen Schatten auf den doch so prall gefüllten Tisch zum Abendmahl. Der Lichtgestalt in den Rücken fallen, kann sich zwar selbst Papa nicht erlauben, aber um so mehr wird es Zeit, endlich die Repräsentationsfunktion dem guten Greis wieder abzunehmen. Insbesondere weil der dritte im Bunde diesbezüglich noch weniger qualifiziert scheint.

Der vorbestrafte Uhrenschmuggler hat in den letzten Jahren keinen Kleinkrieg sowohl mit Kontrahenten als auch mit den vermeintlich kleinen des Geschäfts vermieden. Der fußballerische Wettbewerb in einem elitären Kreis der Wohlhabenden war sein oberstes programmatisches Ziel. Nun wird er Papa von seinen Plänen hinsichtlich des Ersatzes der Fußballkultur durch die Fußballwirtschaft überzeugen müssen oder von ihnen Abschied nehmen müssen. Dementsprechend schmallippig „freut“ er sich jetzt schon auf die neue Amtszeit des Übervaters. Da lohnt es sich nochmal als Mahner aufzutreten und sich als Vertreter einer überkommenen Zeit aufzuspielen in der es noch keine social-media-selbstständigen Fußballspieler gab. Der liebe Defensivspezialist, der seit letztem Sommer unser aller Nachbar ist, solle doch wieder „back to earth“ kommen und sich auf das Tagesgeschäft konzentrieren. Welch Doppelmoral: Ausgerechnet Rolex-Rumme, der nichts unversucht lässt, um das Geschehen auf dem Platz nur noch zu einem lästigen Beiwerk des wirtschaftlichen Wettbewerbs werden zu lassen, kritisiert die Marketingmoral seiner Schützlinge. Wohlgemerkt einer Form der öffentlichen Kommunikation, von der er kontinuierlich profitiert, da die Marke FC Bayern gleich mit transportiert wird.

Nun ja, es gibt viel zu tun an der Säbener Straße. Aber Papa wird das schon richten. Also: Füße unter den Tisch und Ellenbogen an die Hüften gepresst. Die drei Familien-Oberhäupter sind allesamt vorbestraft und zu allem bereit – auch zu einem zwielichtigen Lächeln.

Axel Diehlmann

 

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