Und alles auf Anfang

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Ganz allmählich wirft die kommende Bundesliga-Saison ihre Schatten voraus. Ein Umstand, der vielen Fans von Hertha BSC noch einmal schmerzlich in Erinnerung ruft, wie grotesk unnötig das Team in den letzten sechs Wochen der Vorsaison sich selbst um die Früchte seiner Arbeit brachte. Von Vorfreude auf die neue Spielzeit kann daher nur bedingt die Rede sein.

von Björn Leffler

In Turnierjahren geht es mir eh häufig so, dass ich mich schwer damit tue, sofort wieder auf den Vereinsfußball und die dann wieder sehr kleinbürgerlichen Themen und Probleme meines Lieblingsvereins Hertha BSC umzuschalten. Nach Spielzeiten wie der vergangenen ist es umso schwerer, sich auf die neue Spielzeit einzustellen.

Natürlich, Hertha ist nicht abgestiegen, Hertha hat keinen mausgrauen Mittelfeldplatz erspielt, Hertha hat sich nicht unattraktiv durch die Liga gerumpelt. Nein, Hertha BSC hat in der vergangenen Spielzeit fast durchgehend auf sehr hohem Niveau agiert und den Rest der Liga lange aufhorchen lassen, bis ins letzte Saisonfünftel hinein. Bis zum vorletzten Spieltag stand das Team auf einem Tabellenplatz, der für die Qualifikation zur Champions League berechtigt hätte. Zudem hatte sich das Team erstmals seit 1981 bis ins Halbfinale des DFB-Pokals gespielt.

Der Lohn der harten Arbeit war dann letztlich ein glücklicher siebter Platz, auf den das Team von Pál Dardai noch abgerutscht war, nachdem auch am letzten Spieltag in Mainz, im direkten Duell um Europa-Cup-Platz 6, kein Sieg gelingen wollte, trotz immenser Möglichkeiten.

Wie auch in den Wochen zuvor, als die Mannschaft Chance um Chance vergab, den Champions-League-Sack zuzumachen. Oder später, immerhin, noch die direkte Qualifikation für die Europa League zu sichern. Aber letztlich passierte das, was in der DNA dieses Vereins zu liegen scheint: Letztlich scheiterte Hertha wieder einmal daran, die entscheidenden Spiele zu gewinnen und ein gutes Jahr einfach zu Ende zu spielen. Dazu passend wurde das Halbfinale im DFB-Pokal gegen Borussia Dortmund geradezu hergeschenkt.

Nachdem in Berlin eine Halbserie lang von den Champions-League-Millionen und einem möglichen DFB-Pokalfinale gesprochen, geschrieben und geträumt wurde, stand der Verein am Ende mit (fast) leeren Händen da. Einem glücklichen Umstand ist es zu verdanken, dass der 7. Platz überhaupt noch zur Europa League Qualifikationsrunde berechtigt. Das ist die dünne Ausbeute einer Spielzeit, in der die Berliner mitunter spektakulär agierten.

Nun also von vorne los. Wie man es gewohnt ist, ist Hertha ob der weiterhin bescheidenen Möglichkeiten noch nicht auf dem Transfermarkt tätig geworden. Allein, die Spekulationen um neue Spieler ermüden mich, wie überhaupt das allsommerliche Transferfenster längst zu einer skurrilen, aufgeblasenen Menschenhandel-Veranstaltung verkommen ist.

Als zweitklassig empfundener Bundesliga-Verein, der maximal noch mit dem „Berlin-Bonus“ zu punkten versucht, muss man eh lange warten, bis man von Spielern oder ihren Beratern in Betracht gezogen wird. Es sei denn natürlich, es bestünde die Aussicht, in der Champions League spielen zu können, oder immerhin in der Europa League. Aber gut, das hatten wir bereits. Wenn alles optimal läuft, gelingt den Berlinern der Sprung in die Europa-League-Gruppenphase, was aber erst nach vier Qualifikationsspielen sicher feststeht. Von Planungssicherheit also keine Spur. Von neuen Spielern also auch nicht.

Auch im DFB-Pokal beginnt die Reise ganz von vorn, nachdem es 34 Jahre gedauert hatte, wieder ein Halbfinale spielen zu können. Neuer Anlauf also, beginnend bei Jahn Regensburg. Allein der Gedanke lässt mich müde abwinken. Wenn am ersten Spieltag der SC Freiburg zu Gast sein wird, werden viele Anhänger große Mühe haben, so etwas wie Euphorie aufzubauen, nach dem, wie das Team am Ende der Saison völlig unnötig alles aus der Hand gegeben hat. Nach einer riesigen, verschenkten Chance, die der Verein hat liegen lassen.

Glücklicherweise ist es bis zum Saisonstart noch eine ganze Weile hin. Hertha und seine Fans werden nämlich in der Tat noch eine Weile brauchen, um diese letzte Spielzeit aus den Köpfen zu bekommen. Dass man nun wieder zwanghaft versuchen muss, zu verdrängen und zu vergessen, was im letzten Jahr war, ist äußerst schade. Und deprimierend. Denn wieder steht die große Ungewissheit vor den Berlinern, statt ein euphorisch aufgeladener Start in die neue Saison.

Passend dazu äußerte sich Trainer Dardai in der „B.Z.“ unlängst zu den Zielen der neuen Saison und sprach vom „sicheren Klassenerhalt“. Wer da nicht entnervt die Zeitung in den Papierkorb wirft, hat mit Fußball vermutlich wenig am Hut. Und er tut wohl ganz gut daran, zumindest wenn er in Berlin wohnt.

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