Verwechselbares Stadionerlebnis

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Text: Björn Leffler
Fotos: Patrick Ukrow, Daniel Hasert, Björn Leffler

Bevor heute Abend wieder die unverwechselbaren Bilder des Berliner Olympiastadions in die Welt gesendet werden, wollen wir uns vorab noch kurz mit einem Stadiontypus beschäftigen, der weniger unverwechselbar ist. Dieser Stadiontypus, wir nennen ihn mal den „durchschnittlichen deutschen 30.000er„, findet sich so mittlerweile in einer Vielzahl deutscher Städte, so etwa in Dresden, Aachen, Wolfsburg, Duisburg, Rostock, Augsburg, Hoffenheim oder Mainz. Diese Liste lässt sich noch ohne weiteres fortsetzen.

Das Merkmal dieses Stadiontypus ist vor allem seine Verwechselbarkeit. Diese Stadien sind so derartig von der Stange geplant, dass es nicht nur im TV mitunter schwierig ist, herauszufinden, wo das Spiel gerade stattfindet. Selbst vor Ort findet sich eine architektonische Monotonie, die den durchschnittlichen Auswärtsfahrer mitunter wohl kurz in sich gehen lässt: „Warte mal… wo sind wir heute eigentlich nochmal?“

Vor allem eben jene Kategorie der Allesfahrer, die wirklich jedes Auswärtsspiel mitnehmen, freuen sich über Exoten wie Darmstadt oder – in der neuen Saison anstehend – Leipzig, die nicht völlig austauschbar und belanglos daherkommen. Einige von ihnen haben sich sogar über die zwei Abstiege von Hertha BSC „gefreut“, um mal etwas anderes vor die Nase zu bekommen. Aber auch in Liga Zwei sieht die Welt nicht sehr viel besser aus.

Wir begleiteten Hertha BSC zum letzten Auswärtsspiel nach Mainz, wo es für die Berliner im Endspiel um die Europa League darum ging, die ungeliebte Qualifikationsrunde zu vermeiden, was trotz zahlreicher Gelegenheiten nicht gelang. Gespielt wurde im vor rund fünf Jahren eröffneten, neu gebauten Heimstadion der Mainzer mit dem Namen „Coface Arena“.

Das Stadion hatten wir in unserer Reihe zu einem möglichen Stadion-Neubau von Hertha BSC noch als eines der Negativ-Beispiele genannt. Als Beispiel also, wie ein neues Stadion für Hertha BSC keinesfalls aussehen sollte. Wir haben uns einmal vor Ort angesehen, ob sich dieser Eindruck auch im Live-Erlebnis einstellt.

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Die Arena in Mainz  ist wirklich buchstäblich auf den Acker gesetzt. Es gibt noch nicht mal nennenswerte Parkflächen am Stadion, geschweige denn irgend eine Infrastruktur. Auf dem Feldweg zum Stadion hat man das Gefühl, zum Wochenendeinkauf in den Baumarkt zu spazieren.

 

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Immerhin, die Agrarindustrie scheint vom Stadionbau ungerührt weiter zu funktionieren.

 

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Im Stadion, das unvermeidliche: Bezahlung nur per aufladbarer Karte. Ein Umstand, den die Fans in Berlin – glücklicherweise – durch ihre vehemente Verweigerung (…oder Bequemlichkeit) abwenden konnten. Ein absoluter Glücksfall, wie jeder weiß, der nach dem Spiel noch 20 Euro auf der Karte und 100 Leute in der Schlange vor sich hat.

 

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Stadionarchitektur mit dem Charme des Bezirksamtes Wedding.

 

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Alles spielt sich im engen, eingezäunten Inneren des Stadions unter den Tribünen ab. Mit den Eintrittskarten kann man sich allerdings nur in seinem kleinen, eingeschränkten Bereich bewegen, eine Umrundung ist schonmal gar nicht denkbar.

 

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Bei aller Austauschbarkeit, dann doch noch eine Besonderheit – im Rheinhessischen gibt es die Weinschorle im Angebot! Und da ist man dann auch nicht kleinlich, unter einem halben Liter geht nichts. Na dann prösterchen.

 

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Der Vorteil der Arena: Es ist ein reines Fußballstadion. Der Nachteil: Nicht von jedem Platz aus ist das Spielfeld voll einsehbar, mitunter ist sogar ein Tor verdeckt. Aber gut, wer wird denn da kleinlich sein…

 

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Dem ein oder anderen schlug die Arena dann doch sehr aufs Gemüt. Aber muss mann denn da gleich… Tja, man muss wohl.

 

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Und als Hymne gab es natürlich: „You’ll never walk alone“, auch so (k)ein Alleinstellungsmerkmal. Aber das passte dann auch alles in allem ins Bild.

Fazit: Die „Coface-Arena“ in Mainz, ab der kommenden Saison übrigens „OPEL-Arena“ genannt, ist ein derart schmuckloses, austauschbares und uninspiriertes Stadion, das es einem kalte Schauderwellen über den Rücken treibt. Das wäre im Grunde nicht weiter schlimm, wäre diese Arena eine unrühmliche Ausnahme.

Leider ist sie das nicht.

 

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