11mm – Das 13. Internationale Fußballfilmfestival öffnet die Pforten

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Am gestrigen Abend wurde der Auftakt zum 13. Internationalen Fußballfilmfestival 11mm begangen. Seit 2004 erfreut sich das Festival eines beständigen Wachstums und umfasst dieses Jahr 70 Filme aus aller Welt. Bis Montag abend gilt es nun den Überblick zu bewahren und sich taktisch gut aufzustellen, um möglichst viele Impressionen einzuheimsen.

Dem 50jährigen Jubiläum der Weltmeisterschaft von 1966 entsprechend wurde zum Auftakt die Dokumentation „Goal!“ im Kino Babylon vorgeführt. Der offizielle Film der FIFA zur WM widmet sich eindrücklich dem fußballerischen Zeitgeist der 60er Jahre und gewährt neben den entscheidenden Spielszenen des Turniers amüsante Charakterstudien der damaligen Protagonisten. Darüber hinaus wartet der Film mit der Aufnahme eines der besten Fußball-Gesänge aller Zeiten auf. „We want goals! We want goals! We want goals!“ schallte es während der Partie zwischen England und Mexiko von der Tribüne kurz bevor Bobby Charlton die 92.570 Zuschauer im altehrwürdigen Wembley erlöste. Schön sind auch die Impressionen von der Eröffnungsfeier, die angesichts der heutigen Inszenierungen bestensfalls militär-bürokratischen Charakter besaß. Die Queen eröffnete jedenfalls in jugendlicher Manier das Turnier, welches in die Geschichte eingehen sollte.

Die Geschichte, um die sich der Film final dreht, gehört zu den mythischsten der Fußballkultur überhaupt. Schon der Titel des Films ist in diesem Kontext als Statement zu verstehen. Die nun über fünf Dekaden andauernde englisch-deutschen Diskussion, ob das sagenumwobene Wembley-Tor nun als Tor oder eben als Liniendrücker zu bezeichnen ist, wird natürlich nur bedingt aufgelöst. Letztendlich beharrt jeder verschmitzt auf seiner Position. Einigkeit besteht nur in einem Punkt: Der eigentliche Star ist und bleibt der damalige Linienrichter Tofiq Bahramov. „Goal!“ ist ein unbedingt zu empfehlender Film, der am Montag nochmal im Rahmen des Festival-Programms im Kino Babylon zu sehen sein wird.

Insgesamt stellt sich das 11mm-Filmfestival als empfehlenswerte weil launige Veranstaltung dar. Die Auswahl der Filme ist für jeden Fußballromantiker herzerwärmend. Hinzu kommt die entspannte Atmosphäre zwischen den Filmvorführungen, in denen in der Lobby sich über die schönsten Fußball-Geschichten ausgetauscht wird. Der Auftakt war jedenfalls gelungen. Die Eröffnung durch den 11-Freunde-Guru Philipp Köster war dem Fußball angemessen offenherzig. Zum Star der Eröffnungsveranstaltung wurde jedoch alsbald Max Lorenz, Mitglied der deutschen Nationalmannschaft 1966. Im Finale gegen England saß er zwar nur auf der Tribüne, da es damals noch keine Wechselkontingente gab, hatte aber dementsprechend einen guten Blick auf die Torlinie. Felsenfest davon überzeugt, dass der Ball nicht drin war, betonte er die unschätzbare Qualität der damaligen Jungs. Die „Rakete“ Siggi Held, der ebenfalls unter den Ehrengästen war, und „Eisenfuß“ Höttkes waren neben „Emma“ Emmerich und Helmut Haller die Stützen der damaligen Elf. Auch der Ehrenspielführer Uwe Seeler wäre laut Max Lorenz gestern abend gerne dabei gewesen, musste jedoch verletzungsbedingt absagen, da er aufs Knie gefallen sei. Dies nutzte Max Lorenz dazu ins Schwelgen zu geraten, denn früher sei Uwe Seeler ständig auf die Knie gefallen und das habe ihm auch nichts ausgemacht.

Das Festival hat einen gelungen Auftakt erlebt. Wir raten allen, möglichst viel Zeit den 11mm, die die Welt bedeuten, zu widmen. Und immer beachten: Nach dem Film ist vor dem Film!

Axel Diehlmann

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