An der Wuhle wird es eng

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o.T.

Unions Präsident Dirk Zingler spricht nun erstmals offensiv über die Ausbaupläne für die Alte Försterei. Dabei stehen dem Verein einige nicht ganz einfache Aufgaben ins Haus, die es zu lösen gilt…

von Björn Leffler

Was in den vergangenen Wochen schon mehrfach durch die Medien geisterte, ist nun von Union-Präsident Dirk Zingler bestätigt worden: der 1. FC Union plant den Ausbau des Stadions an der Alten Försterei.

Es wäre nicht der erste Ausbau der Kultsätte der „Eisernen“, die seit der Vereinsgründung 1966 die Heimspielstätte des Vereins ist. Vor wenigen Jahren realisierte der Verein unter großer Mithilfe seiner Fans eine Modernisierung und Überdachung der Stehtraversen. Einige Jahre später erfolgte der Neubau der Haupttribüne, deren Fassade an die Industriebau-Architektur Oberschöneweides angelehnt ist.

Der neuerliche Ausbau des Stadions wird nun notwendig, um sich auf einen möglichen Aufstieg in die Bundesliga vorzubereiten. Sollten die Unioner weiterhin die aktuelle Form bestätigen, könnte der sogar im kommenden Sommer schon gelingen. Auch wenn dies nicht passieren sollte, bleibt für die „Eisernen“ das Ziel Bundesliga ganz oben auf der Agenda, zumindest was die Vereinsführung und Trainer Jens Keller angeht. Viele der Fans fühlen sich im Unterhaus der Bundesliga dagegen sichtlich wohl, weil sie durch die zu erwartende steigende Popularität des Vereins nach einem Bundesliga-Aufstieg eine Verwässerung des so harten Fankerns befürchten.  Den hatte es bereits durch den Aufstieg in die 2. Bundesliga gegeben.

Alte försterei , -Berlin

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Allein, so argumentiert Zingler, der Ausbau des Stadions ist eine absolute Notwendigkeit. Denn mit einer Sitzplatzanzahl von aktuell 3.617 Plätzen (bei einer Gesamtkapazität von 22.012 Zuschauern) erfüllt das Stadion nicht die Anforderungen der 1. Bundesliga, die mindestens 8.000 Sitzplätze für ein Erstligastadion vorsehen. Die Verantwortlichen schauen sich aktuell nach gelungenen Umbauvorhaben um, wie etwa beim FC St. Pauli, der vor einer ähnlichen Aufgabe stand: Stadion-Neubau ja, aber Erhalt des ursprünglichen Charakters und vor allem der großartigen Atmosphäre.

Was in Hamburg größtenteils gelungen ist, soll nun auch in Berlin-Köpenick geschafft werden. Dabei sollen die bestehenden Stehplätze erhalten und zum Teil sogar ausgebaut werden. Bei einer möglichen Aufstockung der Kapazität würden das Dach abgenommen und die drei Stehplatztribünen erweitert werden, um weitere Steh- und Sitzplätze zu schaffen. Da das Gelände an der Alten Försterei begrenzt ist, müsste das Trainingsgelände der Profis bei einem Ausbau möglicherweise an einen völlig neuen Standort verlegt werden. Genaue Details sollen den Mitgliedern bei der Mitgliederversammlung im November mitgeteilt werden.

Stadion "Alte Försterei"

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Die eigentliche Herausforderung stellt sich den Verantwortlichen allerdings bei der Infrastruktur. Schon jetzt ist der Standort bei Heimspielen von Union, bei denen üblicherweise regelmäßig gut 20.000 Fans zur Alten Försterei strömen, stark überlastet. Das Stadion verfügt über nur sehr wenige Parkplätze, was häufig zu langen Staus und Verzögerungen für die anderen Verkehrsteilnehmer führt. Die S3 fährt die Fans bis zum S-Bhf Köpenick, von wo man in 10-15 Minuten am Stadion ist. Dies scheint im Vergleich zu den hoffnungslos überfüllten Straßenbahnen noch die beste Variante zu sein, um das Stadion mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Bei zusätzlichen 13.000 Besuchern könnte dieses heute gerade noch funktionierende Verkehrskonzept schnell kollabieren. Hier haben die Planer wohl die größte Aufgabe.

Präsident Zingler hat hingegen klar gemacht, dass die Planungen nun tatsächlich konkret werden. Den Fans ist ein Umbau der Alten Försterei natürlich deutlich lieber als ein Umzug ins weit entfernte Olympiastadion. Das ist quasi undenkbar, genauso wie ein Spielbetrieb im Jahnsportpark. Wir sind gespannt, wann die ersten wirklich konkreten Planungen veröffentlicht werden.

Der 1. FC Union geht seinen Weg zur Professionalisierung jedenfalls konsequent weiter, ohne dabei seinen ureigenen Charakter verändern zu wollen. Bislang ist das der Vereinsführung sehr gut gelungen. Es bleibt zu hoffen, dass das auch weiterhin der Fall sein wird.

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