Auswärts auf’m Kiez

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Wir waren mal wieder on tour und haben die Fans von Hertha BSC beim Pokalspiel auf St. Pauli begleitet. Zum intensiven Pokalfight am Millerntor reisten dreitausend Blauweiße in die Hansestadt.

Text und Fotos: Björn Leffler

Hertha auf St. Pauli, ein herrlicher Pokalfight lockte – das konnten und wollten wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Untergebracht in einem Hotel, welches nur zehn Gehminuten vom Stadion entfernt lag, weckte allein der Blick aus dem Hotelfenster die Lust auf einen großartigen Pokalfight am Millerntor:

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Das nun komplett fertig gestellte Stadion des FC St. Pauli liegt mitten auf dem Heiligengeistfeld in direkter Nachbarschaft zum Reeperbahn-Kiez. Auf dem Weg zum Stadion kamen wir an den Aufbauten für das bald stattfindende Volksfest „Hamburger Dom“ vorbei.

Die Lage der Arena mitten im Stadtteil erinnert stark an englische Vorbilder, bei denen die Stadien der Vereine inmittten dicht besiedelter Wohngebiete verortet sind. Die Ankunft der Gästefans, begleitet von behelmter Polizei, führte direkt vorbei am legendären Bunkerbau. Neben den üblichen, lautstarken Bekundungen, dass die Berliner nun auch da seien, blieb es aber ruhig.

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Der Weg für die Gästefans war nirgends ausgeschildert, erst nach mehrmaligem Durchfragen erreichten wir daher den merkwürdig überfüllten Eingangsbereich für die Auswärtsfans, wo wir dann über 30 Minuten dicht gedrängt warten mussten, bis wir durch eine große, zum Teil beängstigende Schieberei ins Stadioninnere gepresst wurden – ohne eine einzige Leibesvisitation. Eine Organisation, die so desaströs schlecht war, dass es schwer hinzunehmen war. Was später folgen sollte, war also schon klar…

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Das Stadion war fast ausverkauft, über 29.000 Zuschauer hatten sich in der Arena eingefunden, darunter rund 3.000 Herthafans, die durchgehend standen – auch die Fans auf der Haupttribüne, und das über 90 Minuten.

Getrübt wurde die Stimmung allerdings durch massiven Einsatz von Pyrotechnik, die den Verein mit großer Sicherheit viel Geld kosten wird. Und die uns für rund zehn Minuten die Sicht aufs Spielfeld nahm. Durch die vorangegangene, völlig chaotische Einlasssituation war es allerdings keine große Überraschung, dass die Ultras mal wieder allen auf der Nase herumtanzten. Auch nach den Toren für Hertha wurde jeweils Pyrotechnik gezündet.

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Unsere Sicht auf das Spielfeld war dann also mehrfach vernebelt, vor allem in den ersten zehn Minuten. Zusätzlich befand sich ein Pfeiler direkt vor dem Tor, sodass wir vor allem in Hälfte zwei große Probleme hatten, die Torraumszenen verfolgen zu können.

Auf den Sitzplatzkarten, die wir für 28 Euro erworben hatten, fehlte der Aufdruck „mit Sichtbehinderung“, was schon an Abzocke grenzt. St. Pauli präsentierte sich bis dato also nicht unbedingt als lupenreiner Gastgeber.

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Während des Spiels machten die Pauli-Fans ihrem Namen aber alle Ehre und peitschten ihr gebeuteltes Team energisch nach vorn, und auch die 3.000 Hertha-Fans zeigten, dass sie nicht gekommen waren, um das Spiel schweiged zu verfolgen.

Nach dem Führungstreffer durch Weiser und dem späteren 2:0 durch Valentin Stocker hatten die Blauweißen sportlich und stimmungstechnisch natürlich Oberwasser. Nach dem Spiel gab es dennoch eine wunderbare Version von „You’ll never walk alone“ durch die Fans des FC St. Pauli, während auf Berliner Seite natürlich die Frank-Zander-Hymne angesungen wurde.

Nach dem Spiel blieb es ruhig, obwohl auch die Abreise erneut durch großes Geschiebe und überforderte Sicherheitskräfte geprägt war. Dennoch war es eine durchaus gelungene Kieztour, die wir nach dem Spiel in einer der zahlreichen Gaststätten rund um das Heiligengeistfeld beherzt ausklingen ließen.

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