Der unaufhaltsame Aufstieg des UEFA-Cups

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Die Champions-League ist die Königsklasse des Fußballs – doch wer interessiert sich denn eigentlich für den Royal-Lifestyle? Unbestreitbar die Zusammenrottung der glorreichsten Fußballer der Weltgemeinschaft und der größten und (erfolg-)reichsten Vereine ist die Champions-League dennoch eine Veranstaltung der gehobenen Langeweile, vergleichbar mit den zahlreichen Gala-Veranstaltungen großer weltweit agierender Unternehmen, die letztendlich nur der Selbstbeweihräucherung dienen. Der UEFA-Cup muss dieses Vakuum nutzen.

Ohne Zweifel birgt der Mythos des Henkelpotts die größte Faszinationskraft für einen Verein, Fußballer oder Fan. Jedoch für wieviel Prozent der Anhänger dieser wunderbaren Sportart steckt darin überhaupt ein Quentchen Realitätssinn? Das letzte Indiz, dass es sich bei der Champions-League um einen offenen sportlichen Wettbewerb handelt, liegt in der bisher nocht nicht erreichten Titelverteidigung. Wenn dies der FC Barcelona in dieser Saison oder welcher Verein auch immer es demnächst mal schafft, ist auch der letzte Lebenstropfen entzogen. Denn – unabhängig von den großartigen technischen und taktischen Fähigkeiten einzelner Mannschaften – existiert in der Champions League nur unwesentlich ein sportlicher Wettkampf. Es ist die Bühne des großen Fußballs, nicht unbedingt der Platz für Zweikämpfe, Emotionen und sportlichen Wettbewerb.

Jede Saison aufs Neue spielen Real gegen Chelsea, Barcelona gegen Arsenal, Bayern gegen Juventus, Paris St. Germain gegen Manchester City – wie auch immer. Offenbar ist jedoch wie abhängig man davon ist, dass einer der großen Vereine doch schon in der Gruppenphase scheitert oder zumindest mal ein Spiel verliert, damit wir merken, dass Fußball doch ein Sport inklusive einem Gegner ist, der eigentlich auch die Ambition besitzt, den Titel zu gewinnen. Wie schön war es dementsprechend in den letzten Jahren Manchester City wiederholt in der Gruppenphase scheitern zu sehen? Letztendlich aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein, denn in Abwesenheit der Citizens waren es dennoch die Gleichen, die den Titel dann unter sich ausmachten. Das Bedenkliche daran ist, dass wir uns anscheinend erst am Beginn dieser Dominanz der großen fünf bis sechs Vereine befinden. Dass von Zeit zu Zeit sich doch ein Verein findet, der in die Phalanx – übrigens eine Begrifflichkeit aus dem antiken Griechenland, die eine dichtgeschlossene, lineare Kampfformation schwerbewaffneter Infanterie bezeichnet – eindringt, ist dann die Ausnahme, die die Regel demonstriert und unsere Sehnsucht nach sportlichem Wettbewerb offenbart.

An dieser Stelle tritt der UEFA-Cup auf den Plan. Von Franz Beckenbauer einst als „Cup der Enttäuschten“ tituliert und von den Medien zum „Cup der Verlierer“ abgestuft, ist der heutzutage „Europa-League“ genannte Wettbewerb das Spielfeld des ultimativen europäischen Wettbewerbs. „Wer braucht schon die Champions League?“ mag man angesichts des Teilnehmerfeldes der Zwischenrunde des UEFA-Cups denken. Kaum ein Verein dabei, dem man nicht den großen Wurf zutraut nach dem Finale in Basel den Pokal in den Nachthimmel zu hieven. Vereine aus 16 europäischen Verbänden sind noch im Teilnehmerfeld enthalten und befinden sich  nahezu auf Augenhöhe. Es ist faszinierenderweise kaum feststellbar, welche Vereine aus der Champions-League absteigen mussten, wenn man sich die breite Qualität veranschaulicht. Dadurch wird zwar diese sportpolitische Fehlentscheidung der UEFA nicht besser, aber es verdeutlicht die ungeheure Qualität, die im Wettbewerb zutage tritt.

Es ist davon auszugehen, dass uns sehr viele enge Spiele im UEFA-Cup erwarten – voller Spannung und Leidenschaft und vor allem den sogenannten Überraschungen. Von Vorteil dabei ist auch, dass die Spiele innerhalb einer Woche ausgetragen werden und formstarke aufstrebende Teams die vermeintlichen Favoriten ärgern können. Die vermarktungsgerechte Streckung der Achtelfinals der Champions League über vier Wochen stellt hier ein sportliches Hindernis dar und lässt den Wettbewerb unendlich schleppend erscheinen. Da lobt man sich den Schlag-auf-Schlag-Rhythmus der Europa-League.

Der Weg zu einem mehrklassigen System des Club-Fußballs entsprechend der Logik des Kapitals ist gefährlich für den sportlichen Wettbewerb und damit auch für die visionäre Kraft des Fußballs. Umso schöner den internationalen Konkurrenzkampf des UEFA-Cups zu verfolgen, der einer guten alten Logik folgt: „Warum gehen die Menschen zum Fußball? Weil sie nicht wissen wie es ausgeht!“ Die Chance ist auch eine Verpflichtung. Der Wettbewerb muss gestärkt werden, die ausscheidenden CL-Vereine haben im UEFA-Cup nichts zu suchen und den kleineren Verbänden muss eine ernsthafte sportliche Teilhabe gewährt werden. Dann würde der UEFA-Cup der Champions League den Rang ablaufen im Hinblick auf die Freude am sportlichen Wettbewerb. Und der Pokal ist eh viel schöner…

 

Axel Diehlmann

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