Ein nachvollziehbares Dilemma

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Warum in die Ferne schweifen? Das Gute liegt so nah… Täglich stehen wir vor Entscheidungen, die unsere Lebenswege bestimmen. Aus diversen Möglichkeiten mischen wir uns eine Struktur, die entsprechend unseren Orientierungen Schritte hervorbringt. Wir lösen uns von einem Ort, um an einem anderen Ort eine für uns lebenswichtige oder bewusstseinserweiterte Funktion zu erfüllen. Meistens kehren wir an den Ausgangsort zurück. Alltag bedeutet zumeist nämlich Kreislauf. Darüber hinaus gibt es jedoch Siuationen, die unseren Alltag revolutionieren. Diese können entstehende Beziehungen zu Mitmenschen sein, aber auch radikale Veränderungen des eigenen Umfelds. Meist behalten wir unseren Ursprungsort zumindest in guter Erinnerung, oftmals behalten wir darüber hinaus ein mentales Band und soziale Beziehungen zu eben diesem Ort. Dies wird nun einem Fußballprofi wie Mats Hummels zum Verhängnis. Sein sportliches Bewusstsein steht im Gegensatz zu seiner sozialen Einbettung. Ein nachvollziehbares Dilemma.

Mats Hummels wird aller Wahrscheinlichkeit nach zum FC Bayern nach München wechseln. Die Betonung liegt dabei wohl nicht zuletzt auf der Stadt München, die für ihn persönlich eine familiäre und soziale Anziehungskraft besitzt. Darüber hinaus ist der FC Bayern nun auch nicht der letzte Verein von der Welt. Auch wenn er zumindest in einem Punkt dem wahrscheinlichen Wechsel selbst abgeneigt ist: sein sportlicher Ehrgeiz widerspricht diesem Wechsel. Er wollte es mit dem BVB schaffen, die Bayern dauerhaft zu übertrumpfen. Er durfte sich 2012 auf einem guten Weg wähnen und reagierte dementsprechend genervt und nahezu arrogant auf die Wechsel von Götze und Lewandowski. Sein Satz „Lieber ein großen Titel mit einem Herausforderer gewinnen, als sechs mit einem haushohen Favoriten“ wurde prompt in jedes BVB-Poesie-Album eingraviert. Nun fällt ihm diese Aussage auf den Fuß, was zwangsläufig zu emotionalem Stress führt. Er weiß, dass er es den Benannten übel genommen hat und darin eine prinzipielle Absage an den sportlichen Ehrgeiz sah. Nun steht er selber vor dem Wechsel nach München und Hummels ist intelligent genug, um die Wellen vorherzusehen. Der Weg in die Heimat ist steinig. Nach 8,5 Jahren BVB hat er die Emotionalität der Borussia verinnerlicht und sieht sich dementsprechend mit einer sensiblen Heruasforderung konfrontiert.

Für die Fans der Borussia aus Dortmund wird jedoch der Wechsel eines Topspielers zu einem Konkurrenten und insbesondere zu Bayern München zur Gewohnheit. Der Ärger über diese Prozesse scheint verflogen. Hummels wird wahrscheinlich einer von vielen, denen der Legionärsstempel aufgedrückt wird. Eine Rolle, die er nie haben wollte. Eine Kehrtwende in diesem Fall ist zwar äußerst unwahrscheinlich und hat genau deswegen das Zeug zur Legendenbildung. Das letzte Fünkchen Hoffnung auf einen Verbleib des Dortmunder Mannschaftskapitäns ist verbunden mit der Sehnsucht danach, dass Vereinsliebe über allem steht, selbst über der emotionalen Beziehung zum Heimatort. Die Quintessenz ist jedoch: Dies ist hauptsächlich etwas für Fußballnostalgiker. Wenn Hummels dennoch bleibt, würde er ein wahnsinniges Zeichen der Verbundenheit setzen. Derzeit kämpft er mit der eigenen Courage und wälzt sich daher abends in den Schlaf.

Für die Mannschaft des BVB wäre Hummels ein derber Verlust. Jedoch hat Thomas Tuchel es vollbracht, die Mannschaft unabhängig von einzelnen Persönlichkeiten zu machen. Das taktische Gerüst steht über dem Individuum. Nicht zuletzt deswegen ist der BVB so stark und übt dadurch auch wieder einen Reiz auf Mats Hummels aus. Eine schwierige Entscheidung, die alle Facetten eines persönlichen Werdegangs, der Erfahrungen und des individuellen Charakters aufweist. Und deswegen reißt uns dieser ENtscheidungsprozess so mit.

Axel Diehlmann

 

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