Europapokalsiege in Zeiten des Ackers

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Unlängst beschwerte sich die UEFA offiziell bei der Ausrichterstadt Mailand über den Zustand des Rasens im Guiseppe Meazza Stadion, welches heute Abend immerhin Austragungsort des weltweit bedeutsamsten Spiels auf Vereinsebene sein wird, zum ersten Mal seit 15 Jahren. Kaum auszudenken, würde „CR7“ der Ball verspringen aufgrund einer unschönen Rasenscharte.

Eigentlich ja aber schade, dass heutzutage jedes Europacupfinale derartig durchgestyled und standardisiert ist, dass vom Grashalm bis zum Tornetz eigentlich alles genau so aussieht wie im Jahr zuvor, und im Jahr zuvor, und im Jahr zuvor. Das Champions League Finale im besonderen ist zu einem Premium-Paket geworden, bei dem es Mindeststandards zu erfüllen gilt.

Wir sind also sehr gespannt auf den Kartoffelacker des San Siro heute Abend und freuen uns, wenn „der Ball übers Geläuf hoppelt wie ein Feldhase“, wie die Österreicher gern sagen. Die Stadionbetreiber könnten die Schuld dieses Mal auch nicht auf Bruce Springsteen schieben, der im Guiseppe Meazza schon das ein oder andere legendäre Konzert feiern durfte, die Arena dann stets aber in desolatem Zustand zurückgelassen hatte. Die Italiener eben, Zurückhaltung ist nicht ihre Stärke. Der „Boss“ allerdings spielt in diesem Jahr erst am 3. und 5. Juli im San Siro. Sicherheitshalber.

Wem das Hochglanzprodukt Champions League schlicht und ergreifend zu glatt und langweilig geworden ist, dem empfehlen wir als Trost eine englische Dokumentation über die glorreichen Zeiten von Sensationssieger Nottingham Forest, dem 1979 und 1980 ein völlig unerwarteter Doppelerfolg im Europapokal der Landesmeister gelang, worüber wir bereits im Rahmen des 11mm-Filmfestivals berichtet hatten. Forest gelang dieser  Coup in Zeiten, als sich noch niemand darüber aufrgegte,  ob der Rasen möglicherweise nicht teppichgleich ist.

Diese rund 90-minütige Dokumentation offenbart derartig viele Kartoffelacker und schlammverwüstete Wiesen, dass man sich fragen muss, wie englische Greenkepper eigentlich zu solchem Weltruhm gelangen konnten. Davon unabhängig wird ein erfrischend rauhbeiniger und mitunter unorthodox wirkender Fußball geboten, der sich vor allem durch eines auszeichnet: Leidenschaft.

Wenn wir diese heute Abend auch auf dem Rasen des Guiseppe Meazza sehen, wird sicher niemand mehr über Löcher im grünen Geläuf diskutieren. Das wäre jedenfalls wünschenswert!

Nottingham Forest – The Glory Years 1977-1980

 

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