LIVE DABEI! – Teil Zwei

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LIVE DABEI ist nur im Stadion!

Teil Zwei meiner kleinen Rückschau auf unvergessliche und unvermeidliche Spiele.

Zum ersten Teil der kleinen Serie geht es hier.

von Björn Leffler

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SV Werder Bremen – Hertha BSC 0:1 (2004/05)
1. Bundesliga

Mit Kumpel Bernd ging es per Zug über Hamburg in die Hansestadt, Werder gegen Hertha, Duell um den Europacup mit Blick auf die Champions League. Wir waren etwas spät dran, da wir beim Umsteigen in Hamburg den Tross fuhren ließen, um noch etwas shoppen zu gehen. Der Block war proppevoll, nur ganz unten bei den Ultras konnten wir uns noch reinquetschen, was Dauersingen während des Spiels bedeutete, das sehenswerte Siegtor von Marcelinho war denn aber von Fahnenwedlern verdeckt. Wir glotzten ahnungslos, während sich hinter uns der Block in den Armen lag. Später im TV sah ich, welch schönes Siegtor UnsMarcelo erzielt hatte.
Abends feierten wir dann schön im „Stubu“, DEM angesagten Feierschuppen in Bremen. Am Ende einer großartigen Saison verpasste Hertha – natürlich – im letzten Heimspiel durch ein 0:0 gegen Hannover die Champions League, ein einziges Tor hätte gereicht. Es profitierte – natürlich – der SV Werder, der am letzten Spieltag noch an uns vorbeizog. Wir wurden Vierter, was – im Gegensatz zu heute – nur zum UEFA-Cup reichte, nicht zur Champions League. Natürlich.

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SV Werder Bremen – Hertha BSC 2:1 (2011/12)
1. Bundesliga

Sieben Jahre später sah das Weserstadion völlig verändert aus, eine reine Fußballarena, allerdings baulich höchst merkwürdig umgesetzt. Die neuen Dachstahlträger waren auf die alten Betondachträger draufgeschraubt worden. Das Stadion sieht noch heute aus wie halbfertig. Der Gästeblock ist im Ranking „schlechtester Gästeblock der Liga“ mindestens unter den Top 5. Hertha ging in diesem verrückten Spiel früh durch Ramos 1:0 in Führung, bekam nach einem Kraft-Patzer aber schnell das 1:1. Dann kassierten wir zwei Platzverweise und mussten weite Strecken des Spiels mit nur neun Feldspielern absolvieren, was die Mannschaft beeindruckend gut machte. In Hälfte zwei wurden zwei klare Elfmeter an Raffael verweigert, bis in der 96. Minute Pizarro zum 2:1 für Werder traf. Natürlich.
Der Anfang vom letztlich bitteren Ende einer Saison, in die wir eigentlich gut gestartet waren, letztlich dann aber die Klasse nicht halten konnten.

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Kaiserslautern – Hertha BSC 1:1 (2011/12)
1. Bundesliga

Und noch ein Schmankerl aus dieser „wundervollen“ Saison. Mit dem Fanclub „Blue Dolphins“ ging es mit dem Bus die knapp 700 Kilometer runter in die Pfalz. Treffpunkt war 3:30 Uhr morgens in der Schloßstraße. Trotz der etwas früheren Stunde wurden wir während der kompletten acht Stunden Busfahrt mit Mallorca-Schlagern („Sie trägt nen rosaroten Tanga, Größe XXL“) und Heino-Classics („Blau blüht der Enzian“) beschallt. Den Frankfurter Flughafen umkurvten wir dabei gleich dreimal, was die Fans im Bus zu einer spontanen Laola animierte. Kartenlesen war nicht des Busfahrers Steckenpferd.
Das Spiel selbst auf dem Betzenberg, der in Sprühregen gehüllt war, begann mit einem Eigentor von Roman Hubnik nach fünf Minuten. Es sind Momente wie dieser, in denen man sich schwört, nie wieder so eine Auswärtsfahrt zu machen. Raffael traf kurz darauf glücklicherweise zum 1:1, der Rest des Spiels war unterirdisches Gegurke. Wir nahmen den Punkt dankbar mit, auf der Rückfahrt gab’s wieder schöne Musik, ABER auch einen Film zum Genießen: „Sister Act 2“. Na, wenn das nix is…! Eine bis heute unvergessliche Fahrt, gekrönt vom abschließenden Lied „Busfahrer fahr uns in den Tod“, welches wir dem Busfahrer widmeten, der uns sicher wieder nach Hause gebracht hatte.

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Alemannia Aachen – Hertha BSC 0:5 (2010/11)
2. Bundesliga

Ein Jahr zuvor kämpfte sich Hertha nach dem Abstieg 2009/10 durch die zweite Liga, und wir kämpften mit. Auswärtsfahrt nach Aachen, mit meiner Kampfnähmaschine, dem unverwüstlichen Daewoo Kalos. Leidensgenosse Daniel wurde in Potsdam abgeholt, Ortszeit vier Uhr morgens. Sieben Stunden und 640 Kilometer später rollten wir in Aachen ein – gleich zu McDonald’s natürlich. Das Spiel – ein Traum. Lusti ballerte uns gleich per Volley in Führung, der Rest lief wie von selbst, ein glattes Auswärts-5:0. Während sich nach dem Spiel die Aachener Spieler ausliefen, skandierte unser Block „Wenn ihr absteigt, schlagen wir euch tot!“ Die Spieler schauten fassungslos, wir grinsten. Und dann zurück zum Auto. Auf der Rückfahrt waren wir dann zu fünft im geräumigen Gefährt, die Klimaanlage lief auf Hochtouren. Fünf Tankfüllungen später waren wir auch schon wieder da, um Ortszeit 23:30 Uhr, nach insgesamt 1.400 Kilometern stellte ich den kleinen Koreaner wieder zu Hause ab. Ein tiefer Abdruck meines Sitzfleisches hatte sich in den Fahrersitz geprägt. Und ich schlief beinahe noch im Treppenhaus auf dem Weg zur Wohnung ein. Auswärtssieg!

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Karlsruher SC – Hertha BSC 4:0 (2008/09)
1. Bundesliga

Das absolute Trauma. Eine Woche zuvor im Heimspiel gegen Schalke hatten wir noch die Chance auf die Meisterschaft, 75.000 Fans waren da, und Hertha machte das frühe 1:0 durch Pantelic – welches zu unrecht wegen angeblicher Abseitsstellung nicht gegeben wurde. Das Spiel endete 0:0, der Meisterschaftstraum war damit ausgeträumt, da Wolfsburg in Hannover gewann. In Karlsruhe, die quasi schon abgestiegen waren, sollte zumindest die Champions League klar gemacht werden. Strahlender Sonnenschein, 6.000 Hertha-Fans waren mitgereist. Die Mannschaft wohnte im Hotel direkt neben uns, direkt am Zoo. Beim morgendlichen Spaziergang kamen sie uns noch entgegen, wir genossen den schönen Schloßgarten. Alles war schön. Eigentlich.
Auf dem Platz übernahm das Team das Kommando und erspielte sich einige gute Möglichkeiten, die es allesamt liegenließ. Dann gingen die Karlsruher aus dem Nichts in Führung und die Mannschaft brach in sich zusammen. Wir verloren 0:4 und damit auch die Qualifikation zur Champions League, und demzufolge 15 Mio. bitter benötigte Euros. Voronin, Simunic und Pantelic verließen anschließend den Verein. Und wir stiegen in der Folgesaison ab, gefolgt vom Wiederauf- und Wiederabstieg in den folgenden zwei Spielzeiten.
Von diesen zwei Spielen im Mai 2009 – dem 0:0 gegen Schalke und dem 0:4 in Karlsruhe – hat sich der Verein lange, vielleicht bis heute, nicht erholt.

Fortsetzung folgt…

2 Gedanken zu „LIVE DABEI! – Teil Zwei

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