Profisport in Berlin

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von Björn Leffler

Berlin wächst. Nicht nur die Bevölkerungszahlen selbst, auch direkt damit verbundene Bereiche der Stadtgesellschaft wachsen mit. So gibt es einen rasanten Anstieg im Wohnungsbau, eine konstant wachsende Zahl neuer Jobs oder steigende Besucherzahlen in den Theatern, Opern und Kinos der Hauptstadt. Und zusätzlich gibt es einen enormen Anstieg der Tourismuszahlen, welcher seit der Wende konstant wächst und Berlin heute zur drittmeistbesuchten Metropole Europas macht, hinter London und Paris. Diese Trends gibt es, vereinfacht gesprochen, seit mehreren Jahren.

Profitierender Profisport

Auch der Profisport profitiert natürlich davon, und das in besonderer Weise. Nicht nur die zwei großen Publikumsmagneten der Stadt, Hertha BSC und Union Berlin können sich über steigende Besucherzahlen in den vergangenen Jahren freuen. Auch ALBA, die Füchse und die Eisbären haben – auch durch den Bau neuer, moderner Sportstätten – kräftig zugelegt.

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Der professionelle Sportstandort Berlin ist dabei wirklich gut aufgestellt. Die Hauptstadt stellt in den Sportarten Basketball, Handball, Volleyball und Eishockey jeweils Teams, die in ihren Meisterschaften oder sogar auf internationalem Parkett regelmäßig um Titel mitspielen können. Aktuellster und zugleich spektakulärster Erfolg war der Weltpokal-Erfolg der Füchse im September 2015, dem zuvor auch der Gewinn des EHF-Cups, dem Pendant zur UEFA Europa League, vorausging.
Das führt auch dazu, dass sich die Verteilung der Zuschauer auf die einzelnen Sportarten stark verändert hat, wie die unten stehende Grafik zeigt. Während ALBA und Eisbären in der 14.800 Zuschauer fassenden Mercedes-Benz-Arena spielen, bietet die Max-Schmeling-Halle den BR Volleys und den Füchsen eine ideale Heimstätte. Die Stadt profitiert hier von ihrembreiten Angebot unterschiedlicher Veranstaltungsstätten.

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Finalstandort Berlin

Berlin präsentiert sich über seine erfolgreichen Teams und den regelmäßig gut besuchten Heimspielen trotz der gescheiterten Olympia-Bewerbung als äußerst beliebter Standort für internationale Sport-Events. So wurden allein in der vergangenen Spielzeit neben dem Fußball-Champions-League-Finale im Olympiastadion auch das Final Four der Volleyball-Champions-League (mit einem starken 3. Platz der BR Volleys) und eben das erwähnte EHF-Finale der Handballer in Berlin ausgetragen. Und jährlicher Standard ist natürlich das DFB-Pokalfinale, man vergisst fast, das noch zu erwähnen.
Im Mai 2016 dann findet bereits zum zweiten Mal das Final Four der Basketball Euroleague in der Berliner Mercedes-Benz-Arena statt, das wichtigste Finalturnier im europäischen Basketball.

Von Titeln oder Finals können die beiden Fußballvereine aktuell zwar nicht träumen, dennoch ist auch bei Hertha und Union eine deutlich positive Entwicklung zu beobachten, und das nicht nur bei den Zuschauerzahlen.

Unions Wandlung, Herthas Konsolidierung

Die Köpenicker haben auf beeindruckende Art und Weise ihre Heimstätte, die Alte Försterei, nicht nur modernisiert und überdacht, sondern sogar noch ausgebaut. Die neue Haupttribüne zählt zu den wenigen, gelungenen Beispielen der modernen deutschen Stadionlandschaft. Gleichzeitig wurde der Charakter eines von Stehplätzen dominierten Stadions erhalten und die Atmosphäre sogar noch verdichtet. Union hat es damit geschafft, einhergehend mit den sportlichen Leistungen der letzten Jahre, ein Kultclub-Image zu entwickeln, welches dem Verein ein nicht unerhebliches Potenzial für höhere Aufgaben bietet.

Hertha BSC profitiert als Mieter des Olympiastadions davon, dass das Stadion durch die häufige Nutzung als Austragungsort wichtiger Endspiele in einem hochmodernen Zustand gehalten wird, da in die Arena alle paar Jahre nicht unerhebliche Summen investiert werden. Immerhin ist der Umbau zur WM 2006 nun auch schon 11 Jahre her, da könnte das Stadion schon auch schon mal etwas Patina ansetzen. Dem ist aber ganz und gar nicht so.
So war es das erste Stadion der Republik, welches mit der neuen Torlinientechnologie ausgestattet wurde. Allein vor dem Champions League Finale 2015 wurden noch einmal über eine Million Euro in die Infrastruktur und Technik des Stadions investiert. Gleichzeitig ist das Stadion mit seiner stimmungsraubenden Laufbahn ebenso eine Bürde wie die stark schwankenden sportlichen Leistungen des Vereins, die sich natürlich negativ auf die Zuschauerzahlen auswirken. Würden die Blauweißen konstant um die ersten 5 Plätze der Liga mitspielen, wäre ein Zuschauerschnitt von 60.000 locker möglich. Aber bis dahin ist es – Stand heute – noch ein langer Weg.

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Geschäftsmodell Profisport

Dennoch ist die Stadt Berlin für das Geschäftsmodell Profisport ein äußerst lukrativer Standort, der sich auch sportlich vor keiner deutschen Metropole verstecken muss. Keine andere deutsche Stadt kann es behaupten, in den fünf großen Ballsportarten durchgehend erfolgreiche Sportvereine stellen zu können.

Nur in der – für uns – wichtigsten Ballsportart, da hapert es noch. Aber was noch nicht ist, das kann ja noch werden. Die Geschichte vom Potenzial und schlafenden Riesen haben wir ja schon des Öfteren gehört…

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