Saisonabschluss – Wir haben uns geirrt!

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Auch wir verkünden hiermit: Die Saison ist gelaufen. Lediglich die anstehenden Relegationsspiele werden eventuell noch für eine kleine Korrektur sorgen. Die Frankfurter Eintracht wurde kurz vor Ultimo noch nach Nürnberg in die Ehrenrunde geschickt, während die Werderaner sich plötzlich auf einem scheinbar gemütlichen 13. Platz wiederfinden. In einer Zeit in der die Aufstiegssause von Rasenballsport 😉 Leipzig mehr Aufsehen erregt, als die Meisterfeier der sich selbst langweilenden Bayern, blicken wir noch mal zurück und ziehen mit uns hart ins Gericht.

Zum Start der vergangenen Rückrunde veröffentlichten wir freudestrahlend unsere Panenka-Prognose für ebendiese, die wir nächtelang anhand komplexer Parameter erarbeitet hatten. Allen Variablen des Sports zum Trotz waren wir eines morgens so weit: Lediglich für die Partie der Hoffenheimer gegen Ingolstadt konnten wir keine adäquate Berechnungsgrundlage finden und kalkulierten einfach anhand eines guten alten Tippkickspiels. Wir waren uns sicher, die Prognose stand felsenfest. Nun sind wir in unseren Grundfesten erschüttert. Daher werden wir uns jetzt in aller Förmlichkeit für vermeintliche Fehleinschätzung bei jedem Verein entschuldigen.

Bayern München (Tabellenplatz: 1 / 88 Punkte – Prognose: 2. / 84 Punkte)

Die Bayern sind Meister. Tadatadatadaaaa…. Wir vermuteten einen guten zweiten Platz für die bajuwarische Trostlosigkeitsvereinigung und stehen mit dieser Prognose nun wie die Deppen da. Die Münchener kamen leider doch nicht in die Verlegenheit, ihren Vorsprung zu verspielen, die Entlassung von Uli Hoeness aus dem Gefängnis verlief doch erstaunlich unauffällig, bis auf eine kleine inkompetente Äußerung zur Causa Hummels. Pluspunkte machten wir bei unserer Prognose bezüglich der Champions-League, auch wenn wir ein Halbfinalduell gegen Real oder Barca vorhergesehen haben. Nun sind die Bayern halt gegen Atlético rausgeflogen. Ein offener Punkt der Prognose bleibt jedoch unbeantwortet: Niemand von uns konnte glaubhaft bestätigen oder negieren, ob Pep nun inzwischen ein Lederhosentattoo auf seinem Leibe trägt. Wir recherchieren weiter, vielleicht hilft ja ein aufdringlicher Anruf bei der Wahrheitsfindung.

Borussia Dortmund (Tabellenplatz: 2 / 78 Punkte – Prognose: 1. / 85 Punkte)

Der Prognosen-Meister ist kein tatsächlicher Meister: So viel steht fest. Recht behalten sollten wir jedoch mit der Prognose des ambivalenten Frühjahrs. Zwar spielte die Mannschaft von Thomas Tuchel eine hervorragende Rückrunde, aber für den großen Wurf hat es (bisher) nicht gereicht. In der Liga wuchs der Rückstand auf die Bayern auf der Zielgeraden nun doch noch auf 10 Punkte an, was auch damit zu tun hat, dass sich Aubameyang dem Müllerschen Torrekord nicht ausreichend annäherte. Im UEFA-Cup sorgte ein unheimlich bitterer Moment als Folge einer unterdurchschnittlichen zweiten Spielhälfte für das Ende eines großen Traums im Viertelfinale. Nun bleibt noch das Pokalfinale kommenden Samstag, bei dem sich der BVB als Serienpartizipant nun ängstigen muss, nicht als neues Leverkusen namens Vizussia in die Bundesliga-Geschichte einzugehen. Unsere prognostizierte Verletzungsfreiheit von Marco Reus könnte dabei helfen.

Bayer Leverkusen (Tabellenplatz: 3 / 60 Punkte  – Prognose: 5. / 61 Punkte)

Die Leverkusener spielten die erwartet starke Rückrunde. Trotz der durch Roger Schmidts absurdes Seitenlinien-Verhalten hervorgerufenen Mini-Krise sprang zum Abschluss ein nahezu ungefährdeter 3. Platz heraus. Wir sahen die Medizinschränkchen der Liga zwar nur auf Rang 5 in der Abschlusstabelle, aber dies lag hauptsächlich an einer größeren Anspruchshaltung gegenüber der Konkurrenz. Immerhin holte Bayer sogar einen Punkt weniger, als wir ihnen zugetraut hätten. Mit dem Ausfallen des intensiven Wettbewerbs um die Champions-League-Plätze hat sich die Trainerdiskussion für die Sommerpause wohl auch erledigt. Christoph Daum wird also doch nicht so schnell wieder in einem türkisen Anzug die Farben von Bayer Leverkusen vertreten.

Borussia Mönchengladbach (Tabellenplatz: 4 / 55 Punkte – Prognose 4. / 66 Punkte)

Der erste richtige Treffer unserer Prognose. Platz vier stimmt mit unseren Erwartungen punktgenau überein. Weiterhin entspricht der wahrscheinliche Abgang von Granit Xhaka und der eventuelle Abschied von Yann Sommer zu mittelklassigen Premier-League-Clubs vollends unseren Prognosen. Lediglich bezüglich Oscar Wendt gibt es hierzu keine akuten Gerüchte. Kann ja noch werden, genauso wie der Hoodie-Antrag von Andre Schubert an die UEFA.

Schalke 04 (Tabellenplatz: 5 / 52 Punkte – Prognose: 7. / 47 Punkte)

Gäbe es nicht den HSV, wären die Gelsenkirchener die Chaos-Truppe der Liga. Trotz grober Schwankungen sprang am Ende nun ein 5. Tabellenplatz heraus – die Schalker entschieden das Schneckenrennen nach Europa für sich und verließen unseren prognostizierten 7. Platz am letzten Spieltag doch noch. Unsere Kalkulation war folglich fehlerhaft auf 33 Spieltage ausgelegt. Sorry… Womit wir Recht behalten sollten, ist die kontinuierliche Infragestellung des Trainers André Breitenreiter, der nun seinen Schreibtisch aufräumt und mit Horst Heldt möglichst weit weg von Schalke – also in Dortmund – Urlaub macht.

Mainz 05 (Tabellenplatz: 6 / 50 Punkte – Prognose: 9. / 39 Punkte) und 1. FC Köln ( Tabellenplatz: 9 / 43 Punkte – Prognose: 8 / 44 Punkte)

Was haben wir für spaßig-nervenaufreibende Zeiten für die Mainzer und die Kölner vorhergesehen? Auch wenn wir insgesamt Recht behalten sollten mit der sportlichen Konstanz der beiden Mannschaften, fand der kleine aber feine Höhenflug der Mainzer, der sogar zwischenzeitlich der Meisterschaft wieder ein Quantum Spannung verlieh, in unseren Kalkulationen keinen Platz. Dadurch entschieden die Mainzer das Karnevalsduell gegen die Kölner jedoch mit Abstand für sich und finden sich nun darüber hinaus in der Europa-League wieder. Die Kölner erfüllten dennoch unsere Erwartungen, nur dass Jörg Schmadtke statt Kamelle einfach einen Kaugummi als Wurfgeschoss einsetzte, ahnten wir nicht. Die Entführung sowie die dramatische Befreiung des Geißbocks blieb leider in den gängigen Medien unerwähnt.

Hertha BSC (Tabellenplatz: 7 / 50 Punkte – Prognose: 6. / 61 Punkte)

Die Hertha spielte eine unserer Prognose gemäß normalere Rückrunde, die aber leider dann do so schwach ausfiel, dass der von uns anvisierte Platz 6 zum Ende nicht heraussprang. Strittige Entscheidungen, die Nervosität vorm Kasten und die konstantere Konkurrenz hievten die Berliner nun doch in die unbeliebte Qualifikationsrunde zur Europa-League. Dementsprechend fallen leider auch erstmal unseren prognostizierten Feierlichkeiten flach und Jürgen Röber trägt immer noch sein Hertinho-Kostüm und wartet auf den großen Moment der entblößenden Euphorie.

VfL Wolfsburg (Tabellenplatz: 8 / 45 Punkte – Prognose: 3. / 68 Punkte)

Wenn man so will: die Enttäuschung unserer Prognose, womit eine weitere Enttäuschung einhergehen wird. Sage und schreibe 23 Punkte und 5 Tabellenplätze plus hatten wir den VW-Wölfen zugetraut. Nichts ist daraus geworden und somit bleibt auch die Versetzung der Mannen von Dieter Hecking nach Los Angeles aus. Der Grund für die Misere ist schnell gefunden: Die Bandenwerbung bei Auswärtsspielen wurde entgegen unserer Analyse nicht angepasst. Oder die anderen Bundesligisten hatten von unserer These Wind bekommen.

Hamburger SV (Tabellenplatz: 10 / 41 Punkte – Prognose: 16. / 31 Punkte)

Zehn Punkte mehr als prognostiziert und damit dann doch ein Platz im gesichterten Mittelfeld anstatt im Bus nach Nürnberg zum Relegationsspiel. Wie gerne würden wir hier von positiver Überraschung sprechen, aber angesichts der Wankelmütigkeit des Bundesliga-Urgesteins hätte nur wenige Spieltage mehr genauso gut zum Abstieg führen können. Unserem Rat entsprechend hat Bruno Labbadia vom Lasagne-Verbot für Lasogga abgesehen und Aaron Hunt „verletzt“ auf die Tribüne geschickt.

FC Ingolstadt 04 (Tabellenplatz: 11 / 40 Punkte – Prognose: 12. / 34 Punkte)

Ein Platz im gesicherten Mittelfeld, den wir auch vermuteten. Nicht einkalkuliert hatten wir, dass die Ingolstädter plötzlich damit anfangen regelmäßig zwei Tore in einem Spiel zu erzielen. So sprangen dann auch sechs Punkte und eine Tabellenplatz mehr heraus als prognostiziert. Die weiteren Punkte der Prognose auswertend, lässt sich festhalten: Ingolstadt war bis zuletzt Teil der Konferenz, Hasenhüttl hat aufstrebende Talente integriert und die Audi-Mitarbeiter kamen auch mal vorbei. Insgesamt entspricht die Leistung der Ingolstädter der Panenka-Prognose und Hasenhüttl, der seine Mission hiermit erfüllt sieht, schließt sich nun der Brause-Fußball-Gesellschaft Red Bull an.

FC Augsburg (Tabellenplatz 12 / 38 Punkte – Prognose: 10. / 38 Punkte)

Ein halber Treffer! 38 Punkte des FCA wurden durch uns vorhergesehen, doch diese reichen nun doch nicht zu Platz 10 in der Abschlusstabelle. In Bezug auf die Europa-League haben wir uns aber vertan. Jürgen Klopp konnte die Augsburger Puppenkiste im Zaum halten und steht nun mit dem FC Liverpool im Finale der Europa League in Basel. Unsere groß angekündigte Schlagzeile blieb damit auch aus. Ebenso blieb die Inszenierung von Gascoignschen Jubelposen durch Raul Bobadilla aus. Wir sind enttäuscht.

Werder Bremen (Tabellenplatz: 13 / 38 Punkte – Prognose:  11. / 37 Punkte)

Die Bremer konnten durch einen großen Knalleffekt dem Relegations-Ausflug nach Nürnberg noch entgehen. Wir haben den Bremern zwar nur einen Punkt weniger zugetraut, aber den 11. Platz hätten sie wohl gerne mitgenommen. Nun ist es der 13. Platz in der Abschlusstabelle, der die großen Sorgen von Samstag, 17:15 Uhr ganz weit weg erscheinen lässt. Unserer Prognose entsprechend waren Vestergaard, Ujah und Öztunali prägende Gestalten, die in den kommenden Jahren das Gerüst der Mannschaft darstellen werden. Auch Claudio Pizarro erfüllte alle Erwartungen, obwohl er in den letzten Spielen der Saison erstmalig etwas älter wirkte. Dennoch bleibt er auch kommende Saison an der Weser und kann dann hoffentlich die zukunftsweisende Aktion von Melvyn Lorenzen und seinem Baguette aus nächster Nähe verfolgen. Wir warten weiter…

SV Darmstadt 98 (Tabellenplatz: 14 /  38 Punkte – Prognose:  18. /  22 Punkte )

Wahrscheinlich die größte Überraschung der Rückrunde war, dass Darmstadt die gute Hinrunde bestätigen konnte. Wir müssen eingestehen, dass auch wir uns blenden ließen ob der zu Tage getragenden Fußballnostalgie und eher einen romantisierten Niedergang als die Etablierung im Fußball-Oberhaus prognostizierten. Auch die personalisierten Erwartungen wurden leider nicht erfüllt. Marcel Heller hat doch nichts mehr mit der Eintracht am Hut, Sandro Wagner hat verückterweise in der Rückrunde weiterhin Tore gemacht und Marco Sailers Bart hat doch nicht zum Ballklau und zur folgenden Regeldebatte getaugt. Auch wenn wir es Darmstadt gönnen, sind wir aufgrund unserer Fehleinschätzung in den Grundfesten erschüttert.

TSG Hoffenheim (Tabellenplatz: 15 / 37 Punkte – Prognose:  13 / 33 Punkte)

Offenbar wurde im Abstiegskampf doch fleißiger an dem Punktekonto gearbeitet, als erwartet. Auch die Hoffenheimer haben zwar mehr Punkte gehamstert, aber sind tabellarisch dennoch unterer unserer Prognose angesiedelt. Recht behielten wir damit, dass die TSG ihren letzten Tabellenplatz im Winter mit einem Graue-Maus-Tabellenplatz im Sommer tauschen würde  – bis zum 33. Spieltag und dem 1:4 gegen Schalke, was auch unsere Prognosen im Kampf um die Europapokalplätze ins Irrlicht führte. Profilbildung durch Zerstörung, na danke…

Eintracht Frankfurt (Tabellenplatz: 16 / 36 Punkte – Prognose: 15. / 31 Punkte)

Ein dramatisches Abstiegsfinale mehr in der Club-Historie. Mit einer Siegesserie zum Abschluss der Saison dem sicheren Abstieg noch von der Schippe gesprungen, wurden sie kurz vor Schluss doch noch auf Platz 16 zurückgeworfen. Insbesondere der verletzungsbedingte Verlust von Alex Meier hat den Frankfurtern sehr zugesetzt, so dass kaum Konstanz in die Leistungen gebracht wurde. Erst durch die Kovac-Brüder kam der verspätete und eventuell rettende Aufschwung. Unserer Prognose entsprechend ist die Eintracht eine von zwei Bundesliga-Wundertüten. Die zweite konnten sie hinter sich lassen.

VfB Stuttgart (Tabellenplatz: 17 / 33 Punkte – Prognose: 14. / 32 Punkte)

Hochmut kommt vor dem Fall. Wir wähnten uns mit unserer Prognose schon in Sicherheit, genauso wie der VfB, der im Februar und März, die Tabelle von unten durchpflügte. Aber der VfB machte unserer Einschätzung der Wundertüte alle Ehre und manövrierte sich alsbald wieder gen Abstiegszone. Nun dürfen sie ihre Offensivstärke an bemitleidenswerten Zweitligisten austoben, ohne bei jedem Spiel sich mehr als drei Tore zu fangen.

Hannover 96 (Tabellenplatz: 18 / 25 Punkte – Prognose: 17. / 28 Punkte)

Die Abstiegsprognose ist eingetreten. Die Vorzeichen standen im Januar schon schlimm genug, intensivierten sich aber bis zum März ins Bodenlose. Erst im April konnte ein zartes Pflänzchen namens sportlicher Hoffnung in der niedersächsischen Hauptstadt entdeckt werden. Dieses muss nun den harten Winter der Zweitklassigkeit überstehen, um dann eventuell im nächsten Sommer, die Bundesliga wieder zu bereichern.

Die Panenka-Prognose für die Rückrunde der Saison 2015/16 gibt es hier zum Nachlesen!

 

Axel Diehlmann

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