Stadionneubau in Berlin – Wie es nicht werden sollte

Veröffentlicht am Veröffentlicht in STADT(t)räume

Hertha BSC möchte gern ein neues Stadion bauen, um national konkurrenzfähiger zu werden (wir kommentierten das und stellten ein Umbau-Konzept dar). Wie sollte ein solcher Neubau aber überhaupt aussehen? Und wie um Himmels willen nicht?

Unsere kurze Serie zum Thema „Stadionneubau in Berlin“ beschäftigte sich am Montag mit dem Thema „Nationale Vorbilder“ und schaute vorgestern auf fünf europäische Stadien, die als Schablone für einen Neubau dienen könnten. Gestern wagten wir den Blick auf fünf unterschiedliche Kontinente.

Nachdem wir uns nun eine stattliche Reihe von nationalen und internationalen Vorbildprojekten in Sachen Stadionbau angesehen haben, möchten wir heute den Blick auf fünf Stadien lenken, die keinesfalls als Vorbild für einen Berliner Neubau gelten sollten! Während die Vereinsgremien von Hertha BSC gestern Abend der Beauftragung einer Machbarkeitsstudie zugestimmt haben, verlassen wir also die Welt der ansprechenden Architektur und begeben uns in die Tristesse-Recherche.

von Björn Leffler

Teil 4 – Wie es nicht werden sollte

Im vierten Teil unserer Serie werfen wir den Blick also auf Stadien, die bei einem Stadionneu- oder -umbau keinesfalls als Vorbild, sondern eher als abschreckendes Beispiel dienen sollten. Wir haben uns dabei auf fünf deutsche Stadien beschränkt.

ESPRIT-Arena, Düsseldorf

Kapazität: 54.600 Plätze

Die Düsseldorfer ESPRIT-Arena ist vieles in einem: Hotel, Kongresszentrum, Veranstaltungslocation, Konzerthalle – und im Nebenbetrieb auch Fußballstadion. Das merkt man der Arena auch an, trotz des schicken, verschließbaren Daches fehlt dem Stadion die Seele.

Dazu kommt das ästhetische Verbrechen, bunt bemalte Schalensitze in die Arena eingebaut zu haben, damit man auf den ersten Blick nicht sofort sieht, dass das Stadion möglicherweise nicht ganz voll ist. Fortuna Düsseldorf kämpft ja traditionell auch um jeden Zuschauer, dieses Stilmittel jedoch sollte für Hertha BSC wirklich kein Vorbild sein.

Volkswagen-Arena, Wolfsburg

Kapazität: 30.000 Plätze

Von der Kapazität her wäre das Blechkästchen in der niedersächsischen Provinz für die Anforderungen von Hertha BSC eh zu klein. Aber das ist gar nicht der Grund dafür, dass das Stadion keinesfalls als Vorbild dienen sollte. Die Architektur dieser farblosen Fußball-Arena ist innen wie außen einfallslos und auslandend.

Es gibt zudem keinen Bereich um das Stadion herum, wo sich die Fans frei bewegen können. Gut, als Besucher des Olympiastadions ist man in Sachen Bewegungsfreiheit natürlich stark verwöhnt. In der Volkswagen Arena allerdings sind sämtliche Gastronomie-Angebote und Toiletten in enge Gänge integriert, die baulich eher an das städtische Bezirksamt als an ein Fußballstadion erinnern. Bei Auswärtsfahrten in Wolfsburg kommt jedenfalls nicht der Wunsch nach einer reinen Fußball-Arena auf.

Schauinsland-Reisen-Arena, Duisburg

Kapazität: 28.000 Plätze

Auch diese Arena wäre von der Kapazität her viel zu klein, aber auch hier spielen andere Dinge eine entscheidende Rolle. Wenn jemals ein Stadion „von der Stange“ war, dann die „Schauinsland-Reisen“-Arena in Duisburg (allein der Name schreckt ab!).

Dieses Stadion ist derartig austauschbar, dass es einen schaudern lässt. Das scheint aber durchaus beabsichtigt, denn sogar während der Bau umgesetzt wurde, warben Stadt und Verein damit, wie schnell und günstig ein Arena-Neubau in Fertigbauweise umzusetzen ist. Herausgekommen ist eine Sportstätte, die aussieht wie aus dem LEGO-Land und mitnichten mehr Zuschauer anlockt als das alte Wedaustadion. Die Trostlosigkeit der Duisburger Arena sollte die Verantwortlich davor zurückschrecken lassen, eine leichter finanzierbare Hauruck-Variante umzusetzen.

Leverkusen, BayArena

Kapazität: 30.210 Plätze

Bayer Leverkusen hat sich den gefühlt zehnten Umbau seiner Arena vor einigen Jahren einiges kosten lassen, aber trotz des schicken Daches konnte das nun BayArena genannte Stadion seine nüchterne Aura nicht ablegen, was vielleicht auch daran liegt, dass es im Innern anstatt einer richtigen Hintertortribüne eine riesige Wand aus verglasten Logen und das Kinder-Spieleparadies gibt.

Der Verein versteht das Stadion eher als Familienunterhaltungsareal, was der Fußballatmosphäre natürlich wenig zuträglich ist. Das Stadion ist denn auch selten ausverkauft, trotz der geringen Kapazität von 30.000 Plätzen und Leverkusens regelmäßigen sportlichen Erfolgen.

Immerhin gibt es nun endlich einen richtigen Stehblock für die Heimfans, der jahrzehntelang schlichtweg nicht vorhanden war. Das Stadion ist in seiner architektonischen Einfallslosigkeit dennoch eines der abschreckendsten Beispiele auf unserer Liste.

Mönchengladbach, Borussia-Park

Kapazität: 54.000 Plätze

Viele werden wohl empört aufschreien, dass der Borussia-Park hier auftaucht. Immerhin heißt das Stadion nicht „Kyocera-Arena“, dennoch versprüht der zweckmäßige Bau kein übermäßiges Fußballflair. In relativ kurzer Zeit wurde der Borussia-Park aus der Erde gestampft und auf ein trostloses Feld vor die Mauern der Stadt gesetzt, was das Stadion in eine Reihe mit weiteren „vor-die-Stadt“-Varianten wie die Münchner Allianz Arena oder die Augsburger WWK Arena verfrachtet.

Von der Stimmung im Stadion her ist das der Borussia-Park unter den vier hier ausgewählten Beispielen sicherlich die positive Ausnahme, da die Fans das enge Stadion optimal nutzen. Optisch allerdings wirkt das Stadion wie eine größere Kopie der Wolfsburger Volkswagen-Arena oder eine Schalke-Arena ohne Dach. Mit anderen Worten: das Stadion ist architektonisch langweilig und hebt sich nicht vom architektonischen Einheitsbrei vieler Bundesliga-Stadien ab.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.