Unerwartete Euphorie im Prenzlauer Berg

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Das erste Europapokalspiel von Hertha BSC seit sechs Jahren sorgt für einen unerwarteten Ansturm auf die Tickets – und für viel Unmut.

von Björn Leffler

Im Fanlager der Berliner Hertha rumort es. Grund ist eine akute Kartenknappheit. Ein Problem, welches in den letzten Jahren nur in Ausnahmefällen aufgetreten ist. Und Auslöser ist ausgerechnet ein Qualifikationsspiel zur Gruppenphase der Europa League. Eigentlich nichts, was sonderlich „sexy“ klingt.

Wie bereits 2009 findet das Qualifikationsmatch gegen Bröndby Kopenhagen daher auch im sehr viel kleineren Friedrich-Ludwig-Jahnsportpark statt und nicht im Olympiastadion. Egal ob Pflicht- oder Vorbereitungsspiel: alle Begegnungen, die Hertha in den letzten Jahren im Jahnsportpark ausgetragen hat, waren bei weitem nicht ausverkauft. So bot sich auch für das Spiel gegen Bröndby die Spielstätte im Herzen des Prenzlauer Bergs geradezu an, um sich die teure Miete im großen Olympiastadion zu sparen.

Nun allerdings zeigt sich, dass das Interesse am Spiel doch viel größer ist, als erwartet. Innerhalb kurzer Zeit waren alle der knapp 20.000 Karten für die Partie vergriffen. Da hierbei die Dauerkartenbesitzer bevorzugt wurden und 2.000 Karten an die Fans von Bröndby IF gingen, gelangte nur ein sehr kleiner Teil der Tickets in den freien Verkauf.

In den Foren und sozialen Netzwerken herrscht daher großer Unmut darüber, dass das Spiel nicht im Olympiastadion ausgetragen wird, da mindestens 30.000 Zuschauer zur ersten Europapokalpartie seit sechs Jahren zu erwarten gewesen wären. So zumindest die Meinung vieler Anhänger. Möglicherweise wären es auch mehr gewesen, trotz der gerade begonnenen Sommerferien. Großer Ärger also, obwohl das Spiel sogar live auf „Sport1“ übertragen wird. Aber das reicht vielen offenbar nicht aus.

Bereits 2009 trafen beide Teams aufeinander. Hertha setzte sich nach dramatischem Spielverlauf mit 3:1 durch und erreichte die Gruppenphase der Europa League. Unter den Torschützen war auch der heutige Trainer der Berliner, Pàl Dardai.

Aber nicht nur für das Heimspiel am morgigen Donnerstag sind sämtliche Karten vergriffen. Auch für das Rückspiel in Kopenhagen, das am 4. August stattfindet, waren die Karten für den Gästeblock innerhalb kürzester Zeit ausverkauft. Viele Hertha-Fans kauften sich daher Karten in allen anderen zur Verfügung stehenden Kategorien, um live vor Ort dabei sein zu können.

Die vom Förderkreis Ostkurve organisierten Busfahrten nach Kopenhagen waren ebenfalls innerhalb kürzester Zeit ausgebucht, so dass sich viele Fans auf eigene Faust auf den Weg nach Dänemark machen werden. In Berlin ist offenbar eine völlig unerwartete Europapokal-Euphorie ausgebrochen, die auch den Verein selbst überrascht.

Am morgigen Donnerstag werden also Kastanien- und Schönhauser Allee mit blauweißen Fans geflutet, die heiß sind auf Herthas ersten Europapokalauftritt seit langem. Ein sehr seltenes Schauspiel im sonst so gediegenen Prenzlauer Berg, der nur äußerst selten Schauplatz von Profifußball auf internationalem Niveau wird.

Es bleibt zu hoffen, dass die Mannschaft von Hertha BSC die hohen Erwartungen auch erfüllen kann.

 

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