Wettbewerbspeinlichkeit Nummer 2: Marketingmaschinerie

Veröffentlicht am Veröffentlicht in 87. Minute

Die Macht des Geldes tötet letztendlich immer die Leidenschaft. Die Logik des Marktes dominiert das Geistesleben der Menschen und folglich erreicht auch im Kontext des Fußballs das Geld eine überbordende Dominanz. Aus dem einfachen Spiel zwischen zwei Toren ist schon längst eine Marketingmaschine geworden und eigentlich stellt dies für niemanden mehr eine große Überraschung dar. Aber wenn man denkt schlimmer kann es nicht mehr werden, kommen – mal wieder – die Bayern um die Ecke…

„Die Zuschauerzahl wird präsentiert von …“ Es ist einer dieser Momente im Stadion, in dem du merkst, dass deine inbrünstige Leidenschaft zum Fußball Teil einer Massenbewegung ist und diese durch windige Werbeplatzierer ausgenutzt wird. Schlagartig wird man vom Spielfeld abgelenkt und in eine Welt der Absurditäten geworfen, in der ein Popel von Cristiano Ronaldo mehr Öffentlichkeit erzeugen würde als Proteste für Menschenrechte in Süd-Ost-Asien oder der schlichte Überlebenskampf von (zu) großen Teilen der Weltbevölkerung. Prompt steigen Schamgefühle auf, die lediglich durch das Geschehen auf dem Platz kurzzeitig wieder überdeckt werden können. Um so distanzierter und reflektierter jedoch eine Betrachtung dieser Werbemaschinerie im Kontext des Fußballs erfolgt, um so übler wird einem.

Fußball ist Opium fürs Volk und einhergehend wird dieser ausgenutzt. Marketing-Slogans wie „Echte Liebe“ oder „Mia san mia“ sind quasi zu Imaginationen des Kapitalismus verkommen – frei nach dem Motto: was nicht etikettiert ist, existiert nicht. Sponsoring dient heutzutage als Haupteinnahmequelle der Vereine und entsprechend wird ein Großteil der Vereinspolitik ausgerichtet. Demonstrativ sitzen die Marketing-Chefs der Vereine während der Spiele neben den Managern und Vorstandsvorsitzenden und begutachten das Geschehen auf dem Platz entsprechend marktwirtschaftlicher und werbetechnischer Parameter.

Die Durchführung der Trainingslager in Dubai oder vermeintlich sportlich sinnvolle Reisen nach Asien oder Nordamerika sind inzwischen eher die Regel als die Ausnahme für die gehobene Klasse der Bundesligisten. Dazu werden gerne auch mal Fußballprofis aus China entsprechend des wirtschaftlichen Marktwertes unter Vertrag genommen, wobei der sportliche Mehrwert eher zweifelhaft ist. Das Leitmotiv besteht dabei darin, „neue Märkte“ zu erschließen. Diese neuen  Märkte sind für die kommerzialisierte Fußballwelt das höchste Gut und folglich anvisierte Ziele. Neben diesen gibt es dann aber natürlich auch noch die sportlichen Titel und Erfolgsmeldungen, die für die Fans trotz aller wirtschaftlichen Logik die Basis ihrer Glückseligkeit sind.

Das Grundprinzip ist daher seit langem darin gestrickt, dass ein Pokal oder ein Vereinserfolg mit den Fans in heimischen Gefilden gefeiert wird. Hierbei geht es vor allem darum, die Fans an dem Erfolg zu beteiligen und Gemeinschaft zu demonstrieren. Eine euphorische Gemeinschaft zwischen Spielern und Anhängern, die auf Augenhöhe ihr Engagement für den Verein feiern. Wenn nicht schon die herrschaftliche Winkerei vom Balkon etwas abgehoben wirken würde, haben die Bayern mit ihrer versuchten Vermarktung der Pokalsiegfeier dann doch ein wenig übertrieben. Der Bayerische Rundfunk sollte erstmals dafür bezahlen, dass sie die (wie immer wenig leidenschaftliche) Pokalsiegfeier der Bayern übertragen. Der Bayerische Rundfunk zog sich davon zurück und zeigte stattdessen Tiersendungen. Die entrückte Welt der Bayern-Bosse hat sich erneut symbolisch gegen die eigenen Fans gewandt, nur um ein unwesentliches Salär einzustreichen. Die Maschinerie des Marketings überwältigte das zierliche Pflänzchen der Empathie den eigenen Fans gegenüber. Ein Eigentor, welches an Peinlichkeit kaum zu überbieten ist…

 

Axel Diehlmann

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.