Winterpause oder die gewohnten Leiden des jungen D.

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von Daniel Hasert

Ein verschneiter Sonntag um 16 Uhr – auf Sky Sport läuft das Top-Spiel der Premiere League, Liverpool gegen Manchester United. Ich ertappe mich neiderfüllt nach Fußball-England schauend. Und das ist wirklich selten. Während die Insulaner weiter von Spieltag zu Spieltag eilen, rackern sich die Bundesligisten in ihren Trainingslagern ab.
Lang wird schon über sie diskutiert. Unnötiges Relikt aus alten Zeiten, oder doch ein Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Top Ligen Europas, die sich keine Auszeit gönnen. Die Winterpause.

Im letzten Jahr noch fast dankend als Verschnaufpause im nervenzerreißenden Abstiegskampf in Kauf genommen, reißt sie mich in diesem Jahr gnadenlos aus dem siebten Fußballhimmel. Nach dieser fulminanten Hinrunde der alten Dame, besonders mit dem beeindruckenden Schlussspurt von drei Siegen in Folge in der Bundesliga und der souveränsten Pokalvorstellung der letzten 10 Jahre, kann ich das Timing nur als miserabel beschreiben.

Alles Jammern und Hadern hilft nichts – meene Hertha muss sich dem verordneten Zwangsschönheitsschlaf unterziehen. Also heißt es, das Beste daraus zu machen. Leichter gesagt als getan. Ersatz für den gewohnten Smalltalk über den letzten Spieltag wird immer schwerer zu finden, die Enttäuschung am Samstagnachmittag, die blau weißen Schlachtutensilien in der Schublade lassen zu müssen, wird langsam zur ungeliebten Angewohnheit und das überdachte Ehemaligentreffen ehemaliger Bundesligaspieler ist auch nicht mehr mit dem Hallenmasters längst vergangener Spielzeiten zu vergleichen (wir reüssierten bereits!).

Aber, selbst ist der Fan. Zum Glück gibt es auch andere Leidensgenossen, mit denen man selbst Töppen bzw. Hallenschuhe schnüren und zumindest auf dem Bolzplatz der Winterpause den Kampf ansagen kann. Und auch das moderne Medienzeitalter hilft, bei der eigenen Lieblingsmannschaft am Ball zu bleiben.

Testspielergebnisse, der Transferticker und News aus dem Trainingslager werden in jeder freien Minute studiert. Jede Neuigkeit von der Vorbereitung der Hertha wird bis auf’s Letzte ausgepresst. Alle Nachrichten aus dem blau weißen Lager werden durchforstet um sich Hoffnung zu machen, dass der Rückrundenstart nicht verschlafen wird wie in den vergangenen beiden Jahren.

Die Spannung auf das erste Rückrundenspiel nimmt immer mehr Fahrt auf. Und mittlerweile ist es ja nur noch eine Woche. Die Vorfreude, bei eisigen Temperaturen in der Ostkurve zu stehen und die Mannschaft lauthals bei der Fortsetzung der immer länger dauernden Momentaufnahme zu unterstützen, lassen mein Herz als Fußballromantiker höher schlagen (hoffentlich liest meine Freundin diese Zeilen nicht 🙂 ).

Oh, Manchester führt 1:0 gegen Liverpool. Ach, wenn doch schon wieder Samstag wär!

Unser Gastautor Daniel Hasert ist gebürtiger Potsdamer mit fußballerischer Heimat in Berlin. Seit 1996 macht er der alten Dame Hertha regelmäßig seine Aufwartung und besucht sie zu jedem Heimspiel in der Ostkurve. Auf der einen oder anderen Auswärtsfahrt faszinieren ihn immer wieder die Euphorie und Tragödie, die der Fußball so mit sich bringt.

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