Zwölf Schritte zum Triumph

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Zwölf Schritte zum Triumph„: Mit diesem blumigen Titel überschrieb der WDR im Jahre 1988 eine Dokumentation von geradezu epischer Länge über den Gewinn des UEFA-Pokals 1987/88 durch Bayer 04 Leverkusen. Während der über 100 Minuten Spielzeit fasst Karlheinz Vest den seinerzeit sensationellen Triumph der Werkself noch einmal detailliert zusammen. Eine Sportreportage, die wieder einmal deutlich zeigt, wie viel Zeit man sich vor 28 Jahren noch nehmen konnte, um ein Thema einschlägig zu behandeln – und wie viel Geduld und Konzentrationsfähigkeit man dem Zuschauer offenbar noch zutraute.

Der Titelgewinn von Bayer Leverkusen hat längst Legendenstatus erreicht in der deutschen Sportgeschichte, allein durch das damals noch in Hin- und Rückspielen ausgetragenen Finale. Mit 0:3 war die Mannschaft von Erich Ribbeck im ersten Duell in Barcelona gegen das favorisierte Team von Espanyol unter die Räder gekommen, und auch im Rückspiel im Ulrich-Haberland-Stadion sah es sehr lang nach einem Erfolg der Spanier aus: bis zur 57. Minute stand es 0:0, ehe der Brasilianer Tita zum 1:0 einstocherte und das Finale eine dramatische Wende nahm.

Erst Falko Götz per Kopfball-Torpedo (63.) und schließlich Bum-Kun Cha, ebenfalls per Kopf (81.), stellten das Ergebnis auf Verlängerung. Nachdem den Leverkusenern während dieser Verlängerung ein derart klarer Elfmeter verwehrt wurde, dass es einem aus heutiger Sicht, wo jede winzige Berührung diskussionspflichtig ist, die Gänsehaut über den Rücken treibt, holte sich die Ribbeck-Elf im Elfmeterschießen den UEFA-Cup, zum ersten und bislang einzigen Mal. Rüdiger Vollborn avancierte in diesem Elfmeterschießen zum Helden einer ganzen Saison und trieb die spanischen Schützen schier in die Verzweiflung.

Die eigentliche Sensation aber war nicht der Titelgewinn selbst, sondern dass es Bayer Leverkusen überhaupt bis in dieses Finale geschafft hat. Nur durch den Sieg des HSV im DFB-Pokalfinale 1987 war Leverkusen noch nachträglich in den UEFA-Cup gerutscht. Das international total unerfahrene Team galt in einem enorm stark besetzten Tableau als krasser Außenseiter.

Umso erstaunlicher ist der Weg, den das Team auf dem Weg zum Titelgewinn bestreiten sollte. Über Austria Wien, den FC Toulouse, Feyenoord Rotterdam, den FC Barcelona und Werder Bremen ging es ohne eine einzige Niederlage ins Finale gegen Espanyol Barcelona.

Der besondere Reiz dieser Dokumentation liegt darin, eine ausführliche Zeitreise in den Fußballalltag Ende der 80er Jahre zu machen, deren Gegensätze zum heutigen Hochglanzprodukt kaum deutlicher sein könnten. Da hängen proletische Goldkettchen um die Hälse, wird auf Schienbeinschoner gepfiffen und in einer Art und Weise seitwärts eingegrätscht, dass man ständig Gefahr läuft, in Schnappatmung zu verfallen. Einer der Höhepunkte ist sicherlich das Duell mit dem FC Barcelona, in dessen Reihen Bernd Schuster den unumstrittenen Spielmacher gab. Jener vergab im Rückspiel vor nur 20.000 Zuschauern im Camp Nou (auch das ist heute undenkbar) einen entscheidenden Elfmeter. Leverkusen gewann dort 1:0 und zog ins Halbfinale gegen Werder Bremen ein.

Solltet Ihr Euch heute Abend also nicht mehr von der Couch wegbewegen, gibt es hier das passende Programm dafür:

12 Schritte zum Triumph – Bayer Leverkusens Weg zum UEFA-Cup-Sieg 1988

 

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